Nachträgliche Ausschreibung des ORF-Büroleiterpostens durch Wrabetz

Alexander Wrabetz Zu einer Realsatire der Sonderklasse gerät die Bestellung des neuen Büroleiters in der ORF-Generaldirektion. Während Generaldirektor Alexander Wrabetz bereits am 23. Dezember bekanntgegeben hatte, dass der Fraktionsführer des SPÖ-Freundeskreises im ORF-Stiftungsrat, Niko Pelinka, ab 1. Jänner 2012 „Kabinettschef“ im ORF werden soll, erfolgte am 28. Dezember die nachträgliche Ausschreibung dieser Position. Damit macht man offensichtlich eine Rolle rückwärts, da die bereits zugesagte Bestellung nun doch einem formalisierten Verfahren  unterzogen werden muss.

5.270,65 Euro Mindestgehalt für SPÖ-Politkommissar

Alexander Wrabetz

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Wrabetz startet nun eine Ausschreibung für den an Niko Pelinka
versprochenen Büroleiter-Posten.
Foto: robstr1967 / flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Ausschreibung für Pelinkas Funktion erfolgte am Mittwoch in der staatlichen Wiener Zeitung. Gesucht wird ein „Redakteur“ für die Leitung des Büros des Generaldirektors in der Verwendungsgruppe 16. Dort gibt es ein Mindestgehalt von 5.720,65 Euro, wobei in dieser ORF-Ausschreibung zusätzlich ausgelobt wird, dass ein höheres Gehalt „abhängig von Erfahrung und Ausbildung“ möglich ist. Viele ORF-Insider sind gespannt, wie Generaldirektor Wrabetz die Erfahrung und Ausbildung von Niko Pelinka in diesem Zusammenhang bewerten wird. Nicht wenige gehen davon aus, dass die ausgezeichneten Beziehungen in die SPÖ-Parteizentrale und ins Büro von Bundeskanzler Werner Faymann für einen gehaltsmäßigen Extrabonus herhalten müssen.

ORF-Redakteure rufen zu Bewerbung auf

Der ORF-Redaktionsrat, eigentlich ideologisch eher links grundiert, hat zum Widerstand gegen die offensichtlich „getürkte“ Personalentscheidung in Sachen Büroleiter aufgerufen. Einerseits will man den zukünftigen ORF-Vertrag des SPÖ-Fraktionsführers genau prüfen, auf der anderen Seite ruft man dazu auf, sich für die Position des Büroleiters zahlreich zu bewerben. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 12.Jänner 2012. Wie es arbeitsrechtlich gehen soll, dass Pelinka bereits ab 1. Jänner dort als Büroleiter tätig ist, die Ausschreibung aber eineinhalb Wochen läuft, macht nicht nur Arbeitsrechtsexperten Kopfzerbrechen. Sollte Pelinka tatsächlich bereits am 2. Jänner in die Räumlichkeiten der ORF-Generaldirektion einziehen und damit quasi die eigene Bewerbung aus dem Vorzimmer von Wrabetz überwachen, dann wäre dies selbst für den parteipolitisch durchsetzten ORF Neuland. Man ist jedenfalls schon gespannt, wie viele Bewerber die Ausschreibung ergeben wird, und wie das „objektive“ Auswahlverfahren durchgeführt wird.

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