Wiener Linien: Sexuelle Belästigung ohne Konsequenzen | Unzensuriert.at

Wiener Linien: Sexuelle Belästigung ohne Konsequenzen

3. Januar 2012 - 10:59

GLB-ProtestDer Gewerkschaftliche Linksblock (GLB) hat nach dem Bericht von Unzensuriert.at vom 18. Mai 2011 die Verdächtigen – darunter ist auch ein SPÖ-Bezirksrat – bei der Disziplinarkommission der Wiener Linien angezeigt. Die Vorwürfe: Eine Busfahrerin soll nach der angekündigten Kandidatur für den GLV massiv gemobbt worden sein. Lohnzettel seien aufgerissen, Aushänge mit Falschangaben über ihre Person angebracht worden. Das Schlimmste aber: Ihr Vorgesetzter soll ihr auf beide Brüste gegriffen und sie gefragt haben, ob diese echt seien. Nun wollte man wissen, was seither mit den bereits vom Gericht verurteilten Tätern geschehen sei. Laut GLB habe es keine Konsequenzen gegeben, „obwohl es die Möglichkeit der Amtshaftung in der Höhe von zwei Monatsgehältern geben würde“. Auf nochmalige Nachfrage hätten sich die Wiener Linien auf den Datenschutz berufen, behauptet der GLB.

Versehentlich Fragen an Pressechef geschickt

GLB-Protest

GLB-Protest

Der Gewerkschaftliche Linksblock schlägt erneut Alarm bei den
Wiener Linien: Ein verurteilter Grapscher soll ohne Konsequenzen
davongekommen sein. Der Pressesprecher fühlt sich unzuständig.
Foto: GLB

Unzensuriert.at hat daraufhin den Pressechef der Wiener Linien, Answer Lang, mit den Vorwürfen konfrontiert und folgende Antwort erhalten: „Sie haben versehentlich Fragen an die Disziplinarkommission und die VERSA an mich geschickt. Bei der Gelegenheit lege ich Wert darauf, dass Sie den in Ihrem Mail angedeuteten Anschein der Vertrautheit zwischen Ihnen und mir in Zukunft unterlassen.“ Merkwürdig, denn mit der Arbeitsauffassung des Herrn Lang sind wir im Gegenteil aus früheren Recherchen bereits bestens vertraut. Zur Aufklärung der offenen Fragen trug er jedenfalls auch diesmal nicht bei.

U-Bahn-Crash seit 2009 nicht aufgeklärt

Offene Fragen stellen sich für den Gewerkschaftlichen Linksblock auch bezüglich des U-Bahn-Crashs im Jahr 2009 bei der Wendeanlage Stadion, als die Garnitur in den Gleisabschluss raste. Es entstand ein Sachschaden von zwei Millionen Euro. Die Wiener Linien ließen dem Fahrer über die Medien ausrichten, dass er nie wieder eine U-Bahn lenken werde. Doch nach einem halben Jahr, in dem er bei vollen Bezügen „spazieren ging“, durfte er wieder rein ins Fahrerhaus eines Zuges. Warum? Personalvertreter des GLB vermuten, dass das Fehlverhalten vielleicht nicht beim U-Bahn-Fahrer, sondern bei den Wiener Linien lag. Als möglich erachten sie auch, dass einfache Sicherheitsmaßnahmen nicht eingehalten wurden.

Vermutungen gibt es viele. Daher wartet man schon gespannt auf das Untersuchungsergebnis der VERSA (Verkehrssicherheitsarbeit für Österreich), die unter der Zahl BMVIT-795.133-II/BAV/UUB/SCH/2009 die Ursache des Unfalls feststellen soll. Aus dem Büro der zuständigen Infrastrukturministerin Doris Bures hieß es im Mai 2011, dass mit einem Bericht im Herbst des Jahres zu rechnen sei. Doch statt ein Ergebnis zu präsentieren, verschwand dieser Fall plötzlich von der Homepage der VERSA. Unzensuriert.at wollte wissen, warum: „Tatsächlich liegt der Abschlussbericht noch nicht vor. Die Untersuchung des Vorfalls seitens der Unfalluntersuchungsstelle ist noch nicht abgeschlossen. Sobald das der Fall ist, wird der Endbericht auf der Homepage der Bundesanstalt für Verkehr veröffentlicht. Ich kann Ihnen im Augenblick allerdings noch keinen Termin nennen, wann es soweit ist. Die letzte Einschätzung war sichtlich zu optimistisch“, so die Auskunft aus dem Kabinett der Bundesministerin. Zusatz: „Dass sich der Unfall im Augenblick nicht in der Rubrik Laufende Untersuchungen befindet, geht auf ein redaktionelles Versehen bei der letzten Aktualisierung der Website zurück.

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