Rudas: Zehnmal an einem Tag beim ORF interveniert?

Bundeskanzler Werner Faymann ist schlauer als der deutsche Bundespräsident Christian Wulff. Offenbar interveniert er bei Medien nicht selbst, sondern lässt diese unappetitliche Arbeit seinen Mitarbeitern über. Wie die Tageszeitung Die Presse berichtet, soll die SPÖ einen 50-Sekunden langen Beitrag in der ORF-Sendung Zeit im Bild verhindert haben. In diesem Bericht sollten neue Details zu jenen Inseraten behandelt werden, die Kanzler Faymann 2007 und 2008 als SPÖ-Infrastrukturminister bei der Asfinag bestellt haben soll.

 

 

Wie Die Presse in Erfahrung bringen konnte, habe die SPÖ hier wieder einmal Druck gemacht, den Bericht nicht zu bringen. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas soll an diesem Tag (24. September 2011) bis zu zehn Mal in der Redaktion angerufen und interveniert haben. Angeblich existiere im ORF-Redaktionssystem der Text zum 50-sekündigen Beitrag. ORF-Chefredakteur Fritz Dittlbacher dementiert die Vorwürfe im Gespräch mit der Presse. Er könne unter Garantie ausschließen, dass jemals eine fertige Geschichte nicht gebracht worden sei. Ein Déjá-vu an das Jahr 1999 könnten die neuen Vorwürfe bei Dittlbacher dennoch auslösen. Damals war bekannt geworden, dass aus einem „Zeit im Bild“-Beitrag über die Euroteam-Affäre acht Sekunden herausgeschnitten wurden, in denen der Name des Sohnes des damaligen Bundeskanzlers Viktor Klima genannt wurde. Für die Sendung verantwortlich waren der damalige Chefredakteur Robert Stoppacher und Redakteur Fritz Dittlbacher.

Dass diese mögliche Affäre jetzt – mehr als drei Monate nach dem angeblichen Vorfall – auf den Tisch kommt, hat sicher mit der Bestellung von SPÖ-Stiftungsrat Niko Pelinka zum Bürochef von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zu tun. Gegen diesen Postenschacher ohne vorherige Ausschreibung wehrt sich ja der Redakteursrat vehement. Da könnte es leicht sein, dass durch die eine oder andere undichte Stelle Unangenehmes an die Öffentlichkeit sickert. Zudem trägt die Diskussion über die Intervention des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann dazu bei, dass Einflussnahmen von Parteien in die Berichterstattung der Medien plötzlich sensibler betrachtet werden – offenbar sogar in Österreich.

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