Ehefrau des Schweizer Nationalbank-Präsidenten als Spekulantin

BildDie Ehefrau des Schweizer Nationalbank-Präsidenten kauft im August 500.000 Dollar und lukriert damit innerhalb kürzester Zeit einen Gewinn von 75.000 Franken (rund 62.000 Euro). Der Kauf erfolgte nur wenige Wochen, bevor die Nationalbank einen Mindest-Wechselkurs von 1,2:1 zwischen Franken und Euro festlegte. Der Franken war zwischenzeitlich beinahe auf Parität zum Euro angestiegen. Durch die Gegenmaßnahme fiel der Franken gegenüber dem Euro und auch gegenüber dem Dollar. Mit dem Wissen, dass die SNB die Währungsgrenze einziehen würde, hätte jedes Kind diesen Spekulationsgewinn machen können.

Philipp Hildebrand

Philipp Hildebrand

Philipp Hildebrand wäscht seine Hände in Unschuld.
Foto: SNB / P. von Ah

Dennoch weigert sich die Staatsanwaltschaft in der Schweiz, Ermittlungen gegen den SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand einzuleiten. Er soll von der Transaktion selbst nichts gewusst haben, seine aus den USA stammende Ehefrau Kashya behauptet, die Spekulation selbst in Auftrag gegeben zu haben. Hildebrand räumte bloß ein, „Fehler gemacht“ zu haben, weil er nicht dafür gesorgt habe, dass seine Frau den Devisenkauf rückgängig macht. Eine juristische Verfolgung sei schon deshalb nicht möglich, weil der Tatbestand des Insiderhandels nicht für Währungsgeschäfte gelte. Wenn schon nicht juristisch, so ist es aber faktisch nichts anderes, wenn Hildebrand Ehefrau über die bevorstehende Festlegung einer Wechselkursgrenze informiert war.

75.000 Franken für Hildebrands nur „Peanuts“

Dem reumütigen Hildebrand wird seine Frau zur Last, die in der Öffentlichkeit mit ihrem Spekulationswissen prahlt, das sie in 15jähriger Banktätigkeit erworben hat. Der Dollar sei Mitte August so billig gewesen, dass man ganz einfach habe zuschlagen müssen. „Plakativer könnte sie sich als Spekulantin nicht outen“, meint der Journalist Ulrich Schlüer, Chefredakteur der Schweizerzeit. Was ihm ebenfalls sauer aufstößt, ist die Art der Berichterstattung im staatlichen Schweizer Fernsehen. Dort sei der Eindruck vermittelt worden, das Ehepaar Hildebrand befinde sich in derart komfortablen finanziellen Verhältnissen, dass der Kritik auslösende Gewinn aus Dollar-Spekulationen von ein paar zehntausend Franken für die Hildebrands höchstens „Peanuts“ darstelle – weiterer Nachfrage nicht wert.

Medien konstruieren „Fall Blocher“

Gegenüber der Schweizer Öffentlichkeit wird hingegen versucht, den Überbringer der schlechten Botschaft zum Sündenbock zu machen. Die Transaktion wurde durch einen Mitarbeiter der Schweizer Privatbank Sarasin bekannt, der sich mit der Information an einen Rechtsanwalt gewendet hatte. Der wieder unterrichtete den SVP-Politiker Christoph Blocher, und von Blocher ging das Wissen weiter an die Bundespräsidentin, die Chefin jenes Gremium, das den Schweizer Nationalbank-Präsidenten wählt. Wo die Indiskretion gegenüber den Medien lag, ist unklar. In der Schweizer Tagesschau allerdings wurde bereits darüber spekuliert, ob nun Blocher wegen einer allfälligen Verletzung des Bankgeheimnisses zu belangen sei. Die von Blocher gegründete Schweizer Volkspartei hat ein ähnliches Programm wie die Freiheitliche Partei in Österreich. Ähnlich ist daher wohl auch der mediale Umgang mit ihr.

Selbstmordversuch des Sarasin-Bankers

Für die weniger begüterten Schweizer Bürger ist die Angelegenheit dennoch ein „Fall Hildebrand“ und nicht ein „Fall Blocher“, den Journalisten und manche Politiker anderer Parteien daraus zu konstruieren versuchen. Die Causa hat auch eine menschliche Tragik: Jener Mitarbeiter, der die Transaktion verraten und darauf von seinem Arbeitgeber fristlos entlassen wurde, hat mittlerweile einen Selbstmordversuch verübt und befindet sich in Spitalsbehandlung.

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