Darf ein Weißer die Rolle eines Schwarzen spielen?

BildSo schnell kann es gehen! Plötzlich ist der deutsche Schauspieler Didi Hallervorden, bekannt aus seinen Comedy-Serien, mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Der Grund: Als Leiter des Berliner Schlosspark Theaters besetzte er einen weißer Schauspieler für das Stück „Ich bin nicht Rappaport“ in der Rolle des Afro-Amerikaners Midge. Auf der Facebook-Seite des Theaters fühlen sich Kommentatoren an die rassistischen Schauspieltradition des „Blackface“ in den USA im 19. Jahrhundert erinnert.

Dieter Hallervorden

Dieter Hallervorden

Dieter Hallervorden weist den Vorwurf
des Rassismus zurück.
Foto: Der Sascha / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Laut Wikipedia ist Blackface eine rassistisch geprägte Theater- und Unterhaltungsmaskerade, die in den Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten entstand. Dabei malten sich weiße Künstler das Gesicht schwarz und spielten den naiven, trunkenen, „schwachsinnigen“ und immer fröhlichen „Neger“, so wie vor allem nordamerikanische Weiße sich Schwarze vorstellten. Zu den bekanntesten Blackface-Darstellern gehören Joel Sweeney, Al Jolson und Eddie Cantor. Besonders in der amerikanischen Rassismus-Debatte ist der Begriff des Blackface noch sehr aktuell.

Mit der Faschismus- und Rassismus-Keule schwingen linke Wutbürger in Deutschland und in Österreich sehr schnell. Lieblingsobjekte dafür sind Politiker, doch in der jüngsten Zeit kommen vermehrt auch Künstler ins rechtsextreme Eck. In Österreich war es die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die in einem Kommentar von NEWS-Redakteur Walter Pohl  in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt wurde, weil sie es gewagt hatt, die Besetzung des Niko Pelinka als Büroleiter von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zu kritisieren. In Deutschland steht nun Didi Hallervorden am Pranger. Er wies alle Vorwürfe zurück: „In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus“, hieß es in einer persönlichen Erklärung. An keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt würden sich der Autor, der Regisseur und Hauptdarsteller Joachim Bliese über schwarze Mitbürger lustig machen, so Hallervorden.

Darf Hallervorden einen Juden spielen?

Der 76-Jährige macht auch Vergleiche: „Darf Hallervorden einen Juden spielen, obwohl er kein Jude ist?, oder darf Sigmar Gabriel  (SPD-Chef, Anm.)  sich für Maßnahmen gegen den Hunger in der Welt einsetzen, obwohl er über Leibesfülle verfügt?“ Das Stück sei seit etwa 25 Jahren auf dem Spielplan der deutschen Bühnen und x-mal wurde die Rolle des schwarzen Midge von einem Weißen gespielt. „Wir haben nicht etwa mutwillig nach einem Weißen für die Rolle des 80-jährigen Midge gesucht, sondern wir haben vom schauspielerischen Standpunkt aus nach der bestmöglichen Lösung gefahndet. Ein Schwarzer stand seinerzeit nach unseren Recherchen nicht zur Verfügung“, schrieb Hallvervorden in seiner persönlichen Erklärung.

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