Öffis im Raum Wien schwach ausgebaut und zu teuer

Immer wieder startet die Politik Kampagnen für einen Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel. In vielen ländlichen Regionen ist dies aufgrund des immer stärker ausgedünnten Streckennetzes und auch Fahrplans kaum durchführbar. Doch man muss gar nicht allzu weit weg von den Großstädten: Auch im Wiener Umland sind die meisten Gemeinden vom öffentlichen Verkehr nur spärlich erschlossen.

Der Wiener "Speckgürtel" erfreut sich als Wohnsitz größter Beliebtheit. Menschen, die in Wien arbeiten, haben jedoch erhebliche Kosten zu tragen Unzensuriert.at hat die Situation mit Fokus auf die Gemeinden Gerasdorf, Mödling und Leopoldsdorf bei Wien bewertet.

Der Preis für einen Einzelfahrschein der öffentlichen innerhalb Wiens beträgt 1,80 Euro. Dies beinhaltet wenn man es genauer betrachtet eine Strecke von maximal 30 Kilometern, von West nach Ost gemessen. Leopoldsdorf liegt am Stadtrand von Wien, trotzdem zahlen Fahrgäste zusätzlich 1,80 Euro für die Benützung eines Busses, der durch Leopoldsdorf nach Wien fährt  – für eine Strecke von höchstens 4 Kilometern. Die annähernd gleiche Situation findet sich in Gerasdorf wieder. Der Weg aus Mödling scheint aufgrund der verschiedenen Möglichkeiten etwas leichter zu sein. Aber egal ob mit der S-Bahn oder mit der Badener-Bahn – die Kosten sind immer die gleichen. Beim Preis-Leistungs-Vergleich des öffentlichen Verkehrs in Wien Umgebung mit dem Auto ist es nur allzu verständlich, dass viele Personen nicht gewillt sind, auf ihr KFZ zu verzichten. Immerhin kostet eine Monatskarte im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) für die Kernzone Wien und eine Außenzone zusammen 86,60 Euro monatlich, wobei gerade in den Stadtrandgemeinden die 37,10 Euro für die Außenzone unverhältnismäßig teuer sind angesichts der wenigen darin zurückgelegten Kilometer.

Heutzutage stellt zudem die Leistbarkeit eines Autos immer öfter ein enormes Problem dar, sei es aufgrund der hohen Erhaltungskosten oder auch der Parkplatzkosten Wiens (1 Stunde Parken kostest in den Kurzpark-Bezirken 1,20 Euro). Wer sich angesichts dieser Umstände für den öffentlichen Verkehr entscheidet, muss mit kurzfristigen Fahrplanänderungen sowie regelmäßigen Verspätungen der Busse rechnen. Zudem ist es auch in den Stadtrandgemeinden nicht üblich, dass Busse wesentlich länger als bis 23 Uhr fahren, wodurch gerade am Wochenende, wo die Fahrpläne noch mehr gekürzt sind, erhebliche Einschränkungen entstehen.

Sinnvoll wäre es daher, wenn sich die meist roten oder schwarzen Gemeinden endlich einmal dafür einsetzen würden, dass die Busse gerade abends und am Wochenende pünktlich, in kürzeren Intervallen und zu späteren Zeiten von und auch nach Wien fahren und dass auch die Fahrpreise verringert werden, da sie in keiner Relation zur angebotenen Leistung stehen. Auch Zuschüsse durch die Gemeinden sollten angedacht werden. Immerhin profitieren sie finanziell stark vom ungebrochenen Zuzug aus Wien.

Die FPÖ forderte bereits mehrmals den Ausbau der U6 (derzeitige Endstation Siebenhirten), unter anderem mit einer Petition. In dieser kritisierte der Nationalratsabgeordnete Christian Höbart die niederösterreichische sowie Wiener Landesregierung, die auf ihre Wahlversprechen keinerlei Taten folgen ließen. Untersucht wurden bereits von zahlreichen Organisationen verschiedenste Varianten wie ein U6-Mischbetrieb mit der Badener Bahn oder eine eigene U6-Terasse nach Wiener Neudorf. Dieser Ausbau würde eine erhebliche Erleichterung für zahlreiche Pendler darstellen.

Auch aus dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes wäre ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs im permanent staugeplagten Großraum Wien voranzutreiben – ganz abgesehen vom Anstieg der Lebensqualität aller betroffenen Bürger.

Foto auf der Startseite: Tobias B. Köhler

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