Kommunismus in ehemaliger DDR noch omnipräsent

Thälmann-DenkmalIn der ehemaligen DDR ist der Kommunismus nach wie vor omnipräsent. Tausende Straße und Plätze tragen noch heute die Namen von Marx, Engels oder Rosa Luxemburg – oder von weniger bekannten, aber dafür besonders regimetreuen Apparatschiks. Wer glaubt, dass dieser Umstand Deutschland 22 Jahre nach dem Mauerfall schockieren würde, der irrt. Es ist eine polnische Zeitung, die sich höchst verwundert darüber zeigt.

Thälmann-Denkmal

Thälmann-Denkmal

Das Denkmal in Ernst Thälmann steht nach wie vor in Berlin, genauso
wie der dahinter liegende Park immer noch seinen Namen trägt.
Foto: SpreeTom / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Die Gazeta Wyborcza aus Warschau zitiert unter dem Titel „Lindenstraße? Nein, Leninstraße!“ den deutschen Bürgerrechter Wolfgang Templin: „Unsere Gesellschaft hat ihre kommunistische Vergangenheit nur teilweise bewältigt”. Mit Rosa Luxemburg könnte er sich dabei noch abfinden, nicht aber dem früheren KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann oder dem ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck: „Ich bin bereit, Rosa Luxemburg zu tolerieren, weil ihre Biografie auch glorreiche Seiten enthält. Aber Thälmann war ein treuer Apparatschik Stalins und Pieck hat zur Entstehung des Terrorstaats DDR beigetragen. Das ist, als ob es in Polen heute Straßen gäbe, die nach [der polnischen und sowjetischen Politikerin und Schriftstellerin] Wanda Wasilewska oder [dem ersten Staatschef des kommunistischen Nachkriegspolens] Bolesław Bierut benannt wären”, sagt Templin. Thälmann gibt noch heute 613 Straßen oder Plätzen den Namen, Pieck immerhin 90, von Marx und Engels ganz zu schweigen. Und selbst die verhasstesten Figuren aus der DDR kommen noch zu Ehren, wie die Gazeta Wyborczka recherchiert hat: „ Auch manche nach den führenden DDR-Politikern Otto Grotewohl und Walter Ulbricht, die insbesondere für die blutige Niederschlagung des Arbeiteraufstands von 1953 in Ostberlin verantwortlich waren, benannte Straßen haben die Wiedervereinigung überlebt.“ Straßen, die nach Oppositionellen aus der DDR-Zeit benannt sind, sucht man hingegen vergebens.

Die Linke verteidigt kommunistische Straßennamen

Undenkbar wäre das in Polen, wo man den Kommunismus nicht bloß abgeschüttelt, sondern sich seiner zur Gänze entledigt hat. Das Institut für Nationales Gedenken kümmert sich dort auch um die Straßennamen und fordert eine Umbenennung, wenn man auf unwürdige Namensgeber mit kommunistischen Bezügen stößt. In der ehemaligen DDR ist derlei nicht möglich, das verhindert die Linke als Nachfolgepartei der SED, die in Brandenburg und bis vor kurzem auch in der Hauptstadt Berlin in der Regierung sitzt. Die Linke schützt die kommunistischen Bezeichnungen, auch die nach Ernst Thälmann, der 1944 von der Gestapo ermordet worden war, weshalb er als Opfer des Nationalsozialismus gilt. „Ein Opfer verdient jedoch nicht unbedingt Verehrung“, sagt dazu Markus Meckel, Dissident und letzter Außenminister der DDR

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