Käse-Skandal: Prolactal informierte Konsumenten falsch

Das Sündenregister des steirischen Quargel-Produzenten Prolactal wird immer länger. Nicht nur, dass man möglicherweise Probleme mit Milchschimmel und Listerien lange Zeit ignoriert hat und so der tödliche Käse in Umlauf kommen konnte: Auch die besorgten Konsumenten wurden von der Hartberger Firma falsch informiert.

Eine Kundin beschwerte sich schon vor längerer Zeit über eine Schimmelschicht auf dem Käse. Prolactal teilte daraufhin mit, es handle sich um Milchschimmel, der für die Gesundheit völlig ungefährlich sei. Als dann am 23. Jänner der Käse plötzlich zurückgerufen wurde, schickte die Konsumentin erneut ein – diesmal zorniges – Mail an die Firma. In der Antwort behauptete Prolactal, man habe auf Grund des Schimmelbefalls selbst ein Labor mit Untersuchungen beauftragt und sei so auf die Listerien gestoßen. Daraufhin seien die Produkte zurückgerufen worden.

Die Wahrheit sieht freilich anders aus: Der Nachweis von Listerien gelang der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in detektivischer Kleinarbeit, nachdem schon sechs Menschen an dem Quargel gestorben waren. Die AGES zog die Proben bei Prolactal und konnte den Käse als Verursacher der Listeriose-Erkrankungen eindeutig ermitteln. Mit diesem Widerspruch konfrontiert, hieß es von Prolactal gegenüber der Zeitung "Heute" lapidar, es habe sich um einen Kommunikationsfehler gehandelt.

Kommunikationsfehler ist auch die wohlwollendste Beschreibung für die Informationspolitik des Gesundheitsministers. "Die Warnung vor tödlichem Käse einer Firma zu überlassen, die ohnehin laufend Qualitätsprobleme hat, ist ein Wahnsinn", kritisiert FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein, die schon wiederholt Stögers Rücktritt gefordert hat und gegen ihn auch eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht hat. Sie hofft nun, dass endlich auch die Medien mehr Druck auf Stöger wegen dieser unglaublichen Fehlleistung ausüben. In den "Salzburger Nachrichten" schreibt Fritz Plessl mittlerweile von Vertuschung und einem "Versäumnis, das Konsequenzen haben muss – wenn nicht rechtliche, dann jedenfalls politische".

Auch im ORF-Report wurde Kritik laut. Der deutsche Experte Matthias Wolfschmidt von der Konsumentenschutz-Organisation "Foodwatch" sprach von eindeutigem Behördenversagen und mutmaßte, dass den Behörden der Schutz des Herstellers wohl wichtiger wäre als der Schutz der Gesundheit der Menschen. FPÖ-Konsumentensprecher Gerhard Deimek wünscht sich deutliche Worte auch vom Verein für Konsumenteninformation: "Leider ist die wichtigste Konsumentenschutz-Organisation Österreichs auf Grund staatlicher Kontrolle zahnlos und reiht sich in die Phalanx der Vertuscher ein."

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