Kroatiens EU-Beitritt wird zur Zitterpartie

Kroatien und EUDie Bürger Kroatiens stimmen am morgigen Sonntag, 22. Jänner 2012, über den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union ab. Deutschsprachige Zeitungen erwarten bereits euphorisch die Zustimmung. „Kroatien will in die EU, trotz aller Zweifel“ titelt die Welt, „Kroatien ist nur ein ‚Ja‘ von der EU entfernt" formulieren die Oberösterreichischen Nachrichten. Doch die Zustimmung zum Beitritt ist alles andere als sicher.

Kroatien und EU

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Wunschdenken? Dieses Foto wurde ausgerechnet von der kroatischen
Regierung auf die Plattform Wikimedia gestellt.
Foto: Government of Croatia / WIkimedia

Wie labil das Meinungsbild der Kroaten zur EU ist, zeigen zwei Artikel, die innerhalb von nur fünf Tagen in der Croatian Times erschienen sind. Demnach ergab eine von Europa-Skeptikern in Auftrag gegebene Umfrage eine Ablehnung bei 57,2 Prozent der Bevölkerung, wie die Zeitung am 16. Jänner berichtete. AM 20. Jänner hingegen wurde eine andere Erhebung präsentiert, der zufolge 60 Prozent der Kroaten für den Beitritt stimmen wollen.

Die Tageszeitung Danas befragte in ihrer Online-Ausgabe die Bürger direkt und erhielt ein Meinungsbild, das eher die Skeptiker stützt. Ganze siebzig Prozent von immerhin fast 15.000 Teilnehmern sagten „Nein“. Danas spricht von einer „Agitprop-Falle der kroatischen Regierung“, in die die Leser der Zeitung jedoch nicht getappt seien. Bemerkenswert sei auch, dass die Gegner bei anonymen Umfragen regelmäßig in der Mehrheit seien, während namentlich erfasste Befragte sich überwiegend „europhil“ äußern würden.

Sollte die Abstimmung am Sonntag das Meinungsbild der Danas-Leser bestätigen, hat die Zeitung auch bereits das Resümee parat. Dies würde „bedeuten, dass die Politik der kroatischen Regierung ein schreckliches Fiasko erlebt: eine Politik, welche die Kroaten in die EU ‚hineinpushen‘ wollte, durch vorher festgelegte Abstimmungsergebnisse, durch eine konstruierte öffentliche Debatte und durch Videos, die eine Beleidigung der Intelligenz darstellen, anstelle dass man eine ausgewogene Diskussion über die Fakten geführt hätte.“ -Erinnerungen an die österreichische EU-Beitrittsdebatte werden wach.


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