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Fehlende Distanz der Medien

13. März 2010 - 13:41

Jeder Politiker in Österreich distanziert sich durch seine Arbeit für das Gemeinwohl vom Nationalsozialismus. Bei aller Verschiedenheit der vorgeschlagenen Lösungen für die Probleme unserer Zeit: Das ist eine Selbstverständlichkeit, die sich aus dem demokratischen Grundkonsens dieses Landes ergibt. Wer das nicht verinnerlicht hat, der hat eine falsche Berufswahl getroffen.

Kommentar von Martin Graf

Dass dennoch in Wahlkämpfen insbesondere gegenüber freiheitlichen Politikern diese Einstellung in Zweifel gezogen wird, hängt damit zusammen, dass viele Journalisten ihr Berufsethos längst vergessen haben. Schon vor einiger Zeit bescheinigte eine Studie der österreichischen Medienlandschaft einen ausgeprägten Hang zum Kampagnenjournalismus.

Nebst der Tatsache, dass übelmeinende Redakteure missliebigen Politikern jedes Wort im Mund umdrehen, funktioniert die Kampagnisierung in erster Linie über sogenannte Experten und Parallel-Berichterstattung über Dinge, die miteinander nichts zu tun haben. Die ORF-Internetseite berichtet ohne ersichtlichen Anlass über ein Erstarken radikaler Milizen in den USA und bedient sich dazu eines Fotos mit einer Hakenkreuz-Fahne. Gleich daneben wird ein Foto von Barbara Rosenkranz mit Link auf die aktuelle Berichterstattung über die FPÖ-Präsidentschaftskandidatin platziert.

In einer ähnlichen Angelegenheit wurde der ORF erst vor einer Woche vom Bundeskommunikationssenat verurteilt. In der „Presse“ wiederum schwadroniert die DÖW-Historikern Bailer-Galanda über „rechtsextreme Codes“  stellt dann aber fest, dass Barbara Rosenkranz sich dieser Codes gar nicht bediene. Die kritische Frage, was dieser Artikel im Rahmen der aktuellen Berichterstattung dann überhaupt soll, reicht der Journalist an den Leser weiter und hofft, dass er sich diese nicht stellt, sondern einfach die Kurzfassung des Gelesenen abspeichert: FPÖ – Rosenkranz – Nazi-Code.

Ist die Kampagne einmal entbrannt, sind die Grenzen des guten Geschmacks abgeschafft. BZÖ-Obmann Josef Bucher unterstellt Barbara Rosenkranz, sie trage einen „genetischen Code der NS-Verherrlichung“ in sich. Diese menschenverachtende Aussage würde in „Normalzeiten“ wohl in der Luft zerrissen. Jetzt wird das Hölzchen von den Journalisten dankbar apportiert, dient doch jede noch so abstruse Kritik der gemeinsamen Sache. Oder der sich mit Begeisterung selbst filmende Standard-Journalist Robert Misik, der sich bis dato nicht von seinen politischen Wurzeln in der „Gruppe revolutionärer Marxisten“ distanziert hat und auf Rosenkranz’ Kinder gemünzt meint, Namensgebung könne ziemlich „hart an Kindesmisshandlung ranschrammen“. Ob das die Opfer der gerade bekannt werdenden Missbrauchs-Skandale auch so sehen?

Diese Kommentar ist auch in der aktuellen Ausgabe der "Zur Zeit" erschienen.

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