UNO will Sonderschulen abschaffen, Schmied dagegen

BildDie Vereinten Nationen fordern in einer Konvention von 2008 ein "integratives Bildungssystem" für Behinderte. Dies nahmen Organisationen und Politiker in Österreich, vor allem die ÖVP und die Grünen, als Anlass, einmal mehr die Abschaffung der Sonderschulen zu fordern. Die Organisation Lebenshilfe betrachtet Sonderschüler als vom Bildungssystem ausgeschlossen, sie würden "auf einem lebenslangen Sonderweg am Rande der Gesellschaft" gehalten. Unterrichtsministerin Schmied stellt sich der Kritik jedoch entgegen: Die UN hätte sich nicht explizit gegen Sonderschulen ausgesprochen.

 

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Schmied will die Möglichkeit der Sonderförderung beibehalten.
Foto: Edvlzk / wikimedia / (CC BY-SA 3.0)

Es würde zwar ein integratives Bildungssystem, das Behinderten das gemeinsame Lernen mit Nicht-Behinderten ermöglicht, gefordert – diese Möglichkeit gibt es jedoch in Österreich bereits. Die Organisation und Schwerpunktsetzung bleibt den Staaten offen, auch werden Sonderschulen im Bericht nicht erwähnt – woraus Schmidt schließt, sie dürften als Angebote bestehen bleiben.

Martin Schenk von der Diakonie Österreich empört sich über diesen Ansatz: Schüler mit "sonderpädagogischem Förderbedarf" fänden "noch immer keinen Platz in einer gemeinsamen Schule", Inklusion würde allen Schülern nutzen, eine Nivellierung nach unten finde nicht statt. Abgesehen davon, dass die Inklusion der behinderten Kinder Österreichs in "normalen" Schulen bereits von rund einem Drittel (Niederösterreich) bis zu 80 Prozent (Steiermark) reicht, berichten selbst Lehrer von Inklusionsklassen als Belastung des Unterrichts für alle anderen Schüler.

Auch Walter Riegler, Vorsitzender der ARGE-Lehrer, lobt die Vorzüge der Sonderschulen: "Jeder, der einmal in einer Sonderschule oder einer Blindenschule war, weiß, was dort für die Kinder geleistet wird. In einer allgemeinen Schule könnte man die Ressourcen für eine optimale Betreuung nie aufbringen." Ein wesentlicher Faktor seien oft auch die Wünsche der Eltern, die ihr Kind meist in eine Sonderschule geben möchten. Ministerin Claudia Schmied weist darauf hin, dass ein Wechsel ins integrative System jederzeit möglich sei.

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