Gemeinderatswahl: SPÖ verliert immer mehr ihre Arbeiterbasis

Herbe Verluste für die Sozialdemokratie haben die Gemeinderatswahlen am Sonntag in der Steiermark gebracht. Die SPÖ verlor 5,6 Prozent gegenüber der Wahl 2005 und kommt insgesamt auf nur mehr 37,7 Prozentpunkte. Es ist dies die zwölfte verlorene Wahl in Folge.

Besonders in den traditionellen Hochburgen entlang der Mur-Mürz-Furche wurden großteils dramatische Ergebnisse eingefahren. In der 23.000 Einwohner zählenden Industriestadt Kapfenberg büßte die SPÖ 20,7 Prozent ein. 2005 wählten dort fast 80 Prozent rot. Auch in Bruck (-12,2%), Knittelfeld (-8,4%), Judenburg (-7%) und Mürzzuschlag (-5,1%) standen Niederlagen am Programm.

Naturgemäß folgten nach der Wahlniederlage die üblichen Rechtfertigungsversuche, die jedoch bei den Roten wegen dauernder Wahlpleiten ohne großen Neuigkeitswert verliefen.

Bundeskanzler Faymann will oder kann trotz beständiger Fortsetzung der Verlustserie nichts ändern, weil „wenn man am Ruder reißt, gerät man ins Schlingern.“ Auch Österreichs erstes ständiges präsidiales Polit-Orakel Barbara Prammer musste sich zur Voves-Pleite äußern. Und das fiel im Gegensatz zu manchen Parteigenossen überraschenderweise deutlich schärfer aus. Fehlende Mobilisierungsfähigkeit und ein Schneckentempo im Büro von Laura Rudas, die als Bundesgeschäftsführerin eigentlich die inhaltliche Neuausrichtung der Partei vorantreiben sollte, attestierte Prammer als Gründe für das schlechte Abschneiden ihrer Partei.

Die Kritik des Tages bekam Landeshauptmann Franz Voves jedoch nicht von Bundesseite, sondern von einem seiner Landskollegen, dem Tiroler SPÖ-Chef Hannes Gschwentner. Im Ö1-Mittagsjournal deutete er als mögliche Ursache für die Niederlage die Stiftungsaffäre an. Das war selbst dem Ex-Eishockeyspieler zu viel des Guten, worauf prompt die Retourkutsche folgte. Gschwentner möge in seinem Land doch „nur ansatzweise in die Nähe eines Landeshauptmannsessels kommen“, aber sich nicht über steirische Angelegenheiten den Kopf zerbrechen. Recht hat er, der Franz! Bei den Tiroler Landtagswahlen im Juni 2008 verlor Gschwentner mit seiner SPÖ nämlich 10,4 Prozent – die zweitgrößte Pleite bisher. 

Der tiefste Fall der vergangenen Gemeinderatswahl ereignete sich übrigens im südsteirischen Leutschach (Bezirk Leibnitz), wo ein Totalabsturz von 46,22 auf 15,18 Prozent (-46,22) erfolgte.

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