Schwarzenegger fiel auf Güssings Energieschwindel herein

Arnold Schwarzenegger Der südburgenländische Ort Güssing erlangte als Öko-Musterstadt Weltruhm. „Österreich muss Güssing werden!“, forderte Umweltminister Nikolaus Berlakovich, ein gebürtiger Burgenländer, und bezeichnete „Güssing als Synonym für Energieunabhängigkeit“. Arnold Schwarzenegger setzte vor einigen Wochen noch eins drauf und sagte gegenüber der versammelten Medienschar: „Die Welt muss Güssing werden!“ Mehr Schein als Sein, sagen die Experten.  Würde Österreich tatsächlich wie Güssing, hätten wir einen Staatsbankrott.

Arnold Schwarzenegger

Arnold Schwarzenegger

Schwarzenegger wurde in Güssing in ein Potemkin'sches Dorf geführt.
Foto: Zero Emission Resource Organisation / flickr (CC BY 2.0)

Von Energieautarkie soll Güssing in Wahrheit meilenweit entfernt sein. Autor Markus Groll hat die Geschichte vom energieunabhängigen Städtchen in sein kürzlich erschienenes Buch „Die 50 größten Energiespar-Lügen: Die gängigsten Irrtümer rund um Strom, Sprit und Heizen“ aufgenommen. Sein Urteil: Die glanzvolle Öko-Metropole sei kaum weniger von Fremdenergie abhängig wie die meisten anderen Gemeinden. Ihr Selbstversorgungsgrad betrage nur noch 51 Prozent, seit die Biodiesel-Erzeugung 2006 wegen Unfinanzierbarkeit in Konkurs gegangen ist. Wenn man bedenke, dass der Großteil der Energie nicht auf örtlichen Rohstoffen fuße, sondern der Großteil mit Holz aus dem ganzen Bezirk erzeugt werde, schrumpfe die Energieversorgung auf 31 Prozent.

Dazu kommt, wie die Oberösterreichischen Nachrichten schreiben, dass das Biomassekraftwerk, die Stromfirma und die Fernwärmegesellschaft schwer überschuldet seien, obwohl die Region von der EU als Ziel-1-Gebiet mit Spitzenförderung bedacht worden sei. „Die Güssinger haben viel teure Forschungs- und Pionierarbeit geleistet. Aber sie haben damit bisher eher bewiesen, dass Energieautarkie zur Zeit wirtschaftlich gesehen nicht möglich ist“, schreibt Groll in seinem Buch.

70 Millionen investiert – Geld fließt nicht zurück

In Summe investierten die Burgenländer bisher rund 70 Millionen Euro in ihr Autarkieprojekt. Eine Summe, die mit jährlich rund 13 Millionen Euro Umsatz nie zurückverdient werden kann. Hinzu kommt, dass sich Güssing dafür auch noch Umweltprobleme der anderen Art eingehandelt hat. Bürgerinitiativen klagen über zunehmende Lärmbelästigung, Umgehung von Behördengenehmigungen und Einleitung von schwermetallversuchten Abwässern aus so genannten Umweltbetrieben in das Flüsschen Strem, weil die Kläranlage Güssings überlastet ist. Erst im Vorjahr bestätigte ein Rechnungshofbericht örtliche Kritiker: „Güssing ist ein Potemkin’sches Dorf. Vorne eine grüne Fassade, hinten Dreck und Lärm.“ Reinhard Koch, Gemeindemitarbeiter und Koordinator des Güssinger Energie-Experiments, reagiert mit Gelassenheit: „97 Prozent der Güssinger stehen hinter uns.“

Mit dem Ex-Gouverneur aus dem grün angehauchten Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, gibt es nun auch einen prominenten Botschafter für die Güssinger Öko-Flunkerei. Allerdings: Guten Willen kann man den Güssinger Energiepionieren nicht absprechen. Schon 1990 beschloss der Gemeinderat den hundertprozentigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Reinhard Koch sollte es richten und erwies sich als genialer Fundraiser in Sachen EU-Förderungen. Innerhalb von zehn Jahren konnten Fernwärmenetze, eine Biodieselanlage und ein Biomassekraftwerk errichtet werden. Jetzt stellt sich heraus, dass die vermeintliche Energieautarkie von Beginn an lediglich ein rechnerische war.

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