Wieder einmal umgefallen

Catherine Ashton, die „Hohe Vertreterin“ für die Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union, hat entschieden: Deutsch wird nicht neben dem Englischen und dem Französischen eine Arbeitssprache des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) sein.

Kommentar von Andreas Mölzer, Mitglied des Europäischen Parlaments

Somit wird die offene Diskriminierung der Sprache Goethes und Schillers, die immerhin die in der Europäischen Union am weitesten verbreitete Muttersprache ist, eine Fortsetzung finden. Und die Verbannung der deutschen Sprache aus dem EU-Diplomatendienst zeigt auch, was von all den Phrasen der Brüsseler Polit-Nomenklatura über das Europa der sprachlichen und der kulturellen Vielfalt zu halten ist.

Daß die Vorrangstellung der englischen und der französischen Sprache einzementiert werden soll, verwundert nicht näher. Schließlich soll sich die Europäische Union, wenn es nach den Plänen abgehobener politischer Pseudo-Eliten geht, zu einem zentralistischen europäischen Bundesstaat entwickeln. Ein solcher kann aber nur dann auf Dauer regiert werden, wenn die über Jahrhunderte gewachsenen Unterschiede der Völker Europas beseitigt werden und ein europäischer Einheitsmensch geschaffen wird. Und bei diesem Vorhaben kann auf kleinere europäische Sprachen wie Lettisch, Slowenisch oder Portugiesisch genausowenig Rücksicht genommen werden wie auf Deutsch, das bekanntlich die Sprache der Verlierer zweier Weltkriege ist.

Ein erbärmliches Schauspiel in Sachen Deutsch als Arbeitssprache des Europäischen Auswärtigen Dienstes bot übrigens die Bundesregierung. Erst recht spät verkündete Außenminister Spindelegger, gemeinsam mit Berlin für eine Gleichstellung der deutschen Sprache in der Europäischen Union kämpfen zu wollen. Und in der vergangenen Woche gelobten der Außenminister sowie Bundeskanzler Faymann im EU-Hauptausschuß des Nationalrates hoch und heilig, sich für dieses Ziel einzusetzen. Gekommen ist es jedoch ganz anders, weil die Bundesregierung wieder einmal gegenüber Brüssel umgefallen ist. Schließlich werden von Österreich im Zweifelsfall berechtigte nationale Interessen bereitwillig auf dem EU-Altar geopfert, um die Herren in Brüssel gewogen zu stimmen. Ob aber mit dieser knieweichen Haltung die hierzulande weitverbreitete EU-Skepsis bekämpft werden kann, muß jedoch – wie auch bei den regelmäßigen EU-Bejubelungskampagnen der Bundesregierung, bei denen Millionen an Steuergeldern verpulvert werden – bezweifelt werden.

Andreas Mölzer schreibt regelmäßig in der Wochenzeitung "Zur Zeit"

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: EASYATW1), ltd. Unzensuriert

  Dieses Video könnte Sie auch interessieren:
Copy link