Seniorenheimbewohner warten aufs Klopapier

Der rot-grünen Stadtregierung in Wien ist es meistens wichtiger, den Schein zu wahren, als für die Bevölkerung nachhaltig zu arbeiten. Ein schönes, aber trauriges Beispiel dafür liefert die Situation in einem Seniorenheim im 4. Wiener Gemeindebezirk: Dort hat man, zur Verwunderung der Bewohner, zwar die Namen der Räumlichkeiten geändert, doch so einfache Dinge wie Klopapier sind seit der Strukturumstellung nicht mehr zu bekommen.

Klopapier

Klopapier

Aus dem Greißler im Seniorenheim wurde ein "Markt.Platz".
Klopapier bekommt man dort aber keines mehr.
Foto: weisserstier / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

„Ich habe nicht einmal mehr die Möglichkeit, um das Nötigste zu kaufen, damit ich meinen A… auswischen kann“, empörte sich eine von vielen Seniorinnen gegenüber der Redaktion von Unzensuriert.at. Die Senioren berichteten, dass sich seit Anfang dieses Jahres einiges im Heim geändert habe. So wurden diverse Räumlichkeiten unbenannt. Der „Große Saal“, in dem gegessen wird, heißt „Gast.Haus“, die „Tagesbetreuung“ heißt „Tag.Familie“, die Direktion wurde zum „Haus.Büro“, etc. Man beachte den Punkt zwischen den einzelnen Wörtern. Offenbar eine neue Rechtschreibreform.

Fürs Klopapier zum Billa
 
„Mir ist egal wie die Zimmer heißen, aber warum mutet man uns das zu?“, fragt eine Frau. Besonders ärgerlich für sie ist, dass ein neuer „Markt.Platz“ versprochen wurde, wo man günstig sämtliche nötigen Artikel erwerben könnte. Allein, er funktioniert bis heute nicht. Konnte man früher Artikel des täglichen Bedarfs wie Klopapier kaufen, ist dies seit Anfang dieses Jahres – und somit seit mehr als drei Monaten – nicht möglich. Heimbewohner müssen sich nämlich für das WC in der eigenen Wohnung selbst mit Klopapier eindecken. Derzeit hilft nur der Weg zum entfernten Billa. Ein älterer Heimbewohner, der einige Operationen überstanden hat, hat allerdings nicht das geringste Interesse, den Weg zum Supermarkt anzutreten – so wie viele andere Heimbewohner auch.

„Markt.Platz“ noch im Enstehen, Greißler war krank

Vonseiten des „Haus.Wieden“, wie das Seniornewohnhaus jetzt heißt, bekam Unzensuriert.at folgendes Statement: Es käme alle 14 Tage ein mobiler Greißler in die Eingangshalle, der Utensilien, auch Klopapier, für den täglichen Bedarf anbieten würde. Das wäre sowohl vor der Umstrukturierung als auch nachher der Fall. Allerdings gestand die Dame von der Büroleitung ein: „Der Greißler ist Anfang des Jahres erkrankt.“Jetzt aber würde er wieder regelmäßig kommen. Bezüglich „Markt.Platz“ räumte sie ein, dass dieser noch im Entstehen sei. Produkte wie auf einem Markt werde es dort aber nicht geben, vielmehr ein Kaffeehaus mit einer Vitrine.

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