Gstanzlsingen bringt Unruhe ins Linksmilieu

„Aufgspuit und gsunga wird“ – hoffentlich auch in Kaltenhausen bei Hallein. Was dort nämlich derzeit passiert, trifft Anhänger der zünft’gen Volksmusik schwer.

Beim traditionellen Kaltenhausener Gstanzlsingen, dass seit 18 Jahren am zweiten Wochenende im Mai auf dem Gelände der Halleiner Brauerei stattfindet, herrscht Eiszeit zwischen den Stargästen der Veranstaltung. Dass die Aspacher Tridoppler dort aufspielen sollten, wurmte die Lungauer Querschläger, worauf diese einen offenen Brief an den Organisator und ORF-Moderator Philipp Meikl verfassten. Grund war nicht etwa ein ähnlicher Gstanzltext oder die falsche Trachtenfarbe. Nein, die Aspacher Tridoppler würden Humor nach Art der FPÖ präsentieren, weil sie voriges Jahr beim Parteitag in Linz eine Parodie auf die „Drei-Bier-Bestellung“ HC Straches gesungen haben.

TridopplerBestimmte Kreise in Österreich haben darin den „Kühnengruß“ gesehen.

„Die Volkskultur wird wieder von rechts benutzt", warnt Querschläger-Frontmann Fritz Messner in diesem Brief und kritisiert, dass das oberösterreichische Männer-Doppelterzett „zum Gaudium der dort anwesenden Menschenverhetzer“ aufgetreten ist.

Doch anstatt die deftigen musikalischen Wogen zu Glätten, eskalierte die Situation Anfang März vollends. Am 10. März wurden die Lungauer Querschläger vom Organisator nach fixer Zusage aus dem Vorjahr wieder ausgeladen. „Die kritische Art Gstanzln zu präsentieren, passt nicht mehr nach Kaltenhausen“, soll die offizielle Begründung vom ORF sein. Knappe 20 Tage später die nächste Hiobsbotschaft für die zu erwartenden 3000 Fans im Kaltenhausener Bräuhaus: auch die Aspacher Tridoppler werden nicht beim Gstanzlsingen auftreten.

Im Hintergrund hatte sich inzwischen nämlich der Vertreter des Landes Salzburg im ORF-Stiftungsrat, Wolfgang Wörter (SPÖ), eingeschaltet. Er riet dem Landesstudio des Rundfunks „dringend, die Kooperation mit dem Gstanzlsingen zu überdenken“ und äußerte seine Bedenken angesichts der Beteiligung der Aspacher Tridoppler beim zuständigen Landesdirektor. Der ORF sei zwar nur Kooperationspartner, weil aber das Programm von ORF-Moderator Philipp Meikl zusammengestellt und moderiert werde und Teile davon im Regionalstudio ausgestrahlt werden, wäre ein Imageschaden nicht ausgeschlossen.

Wer hätte gedacht, dass Volksmusik so viel Unruhe in die linke Szene bringen kann?

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