35 Jahre linksterroristische Palmers-Entführung

Heuer jährt sich zum 35. Mal die Entführung des Industriellen Walter Palmers. Neben dem versuchten Bombenanschlag im niederösterreichischen Ebergassing im Jahr 1995 ist diese Straftat ein weiteres Beispiel für linksextremen Terror in Österreich. Sie geht auf das Konto des österreichischen Flügels der "Bewegung 2. Juni", einer Organisation aus der linksextremen bundesdeutschen Stadtguerilla-Szene und Schwesterorganisation der terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF).

Seit Anfang der siebziger Jahre verübte die Bewegung 2. Juni in Deutschland laufend Anschläge. Diese trafen einen britischen Yachtklub, das Landeskriminalamt und die juristische Fakultät in Berlin. Ein tödliches Schussattentat galt dem Präsidenten des Westberliner Kammergerichts, Günter von Drenkmann. Der Berliner CDU-Chef Peter Lorenz wurde entführt, um Gefangene frei zu pressen. Dazu kamen Banküberfälle als Beschaffungskriminalität für Bargeld zur Finanzierung des terroristischen Netzwerkes.

Österreichische Terroristen: Gratt, Pitsch, Keplinger

1977 breitete die Bewegung 2. Juni ihre Aktivitäten auf die Alpenrepublik Österreich aus. Sie rekrutierte dazu im Umfeld von trotzkistischen Studentengruppen und Sympathisantenkreisen der linksextremen Terrorszene eine Schar an Mitstreitern. Unter ihnen befanden sich Thomas Gratt, Reinhard Pitsch und Othmar Keplinger. Der Vorarlberger Gratt war Mitbegründer des "Arbeitskreises Politische Prozesse – Politische Gefangene" (APG) in Wien und Aktivist der Linken Liste (LiLi) an der Wiener Universität. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Keplinger und Pitsch wurde er in der Bewegung 2. Juni aktiv. Die drei waren Zeitgenossen und in einem ähnlichen politischen Spektrum aktiv wie der heutige Grünpolitiker Peter Pilz, der sich damals in den Reihen der Gruppe Revolutionärer Marxisten (GRM) auf Hochschulebene betätigte.

31 Millionen Schilling erpresst

Unter Anleitung der bundesdeutschen Genossen entführten Gratt, Pietsch und Keplinger den österreichischen Unternehmer Walter Palmers am 9. November 1977 in Wien. In weiterer Folge erpresste das Trio insgesamt 31 Millionen Schilling und ließ Palmers vier Tage später nach rund 100 Stunden Gefangenschaft am 13. November 1977 wieder frei. Am 23. November wurden Gratt und Keplinger in Italien und am 28. November Pitsch in Wien festgenommen. Später wurden Teile des Geldes bei bundesdeutschen Terroristen gefunden. Alle drei Täter wurden zu Haftstrafen verurteilt, der Haupttäter Gratt und Keplinger begingen später Selbstmord. Pitsch lebt heute laut Wikipedia "als Philosoph" in Wien. Der linksextreme Standard-Journalist Robert Misik, einst Pilz' Kollege bei den revolutionären Marxisten, hat mit ihm vor fünf Jahren für die taz über die Entführung geplaudert.

Ein erheblicher Teil des Geldes wurde bis in die neunziger Jahre für terroristische Zwecke durch die Bewegung 2. Juni bzw. die RAF verwendet.

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