NEWS-Medien täuschten jahrelang ihre Werbekunden

NEWSDie NEWS-Gruppe hat ihre Werbekunden getäuscht. Wie der neu bestellte Geschäftsführer in einem Interview mit dem Standard einräumte, wurden jahrelang teilweise weit überhöhte Auflagenzahlen an die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) gemeldet. Bis in den Herbst 2010 zurück will der neue Chef Axel Bogocz diese Zahlen nun korrigieren lassen. Betroffen sind insgesamt zehn Magazine, darunter NEWS, profil, Format, TV-Media, Woman, Trend, E-Media und die Auto-Revue.

Bogocz, der keine weiteren Angaben über die Verantwortlichen für den Schwindel machen wollte, beeilte sich festzustellen, dass sich die behauptete höhere Auflage nicht auf den Inseratenpreis ausgewirkt habe:

Für mich ist die Motivation nicht erkennbar. Im Anzeigenmarkt verkaufen wir ausschließlich auf Basis der Reichweiten. Das heißt, unsere gesamte Preisgestaltung stellt auf Leserzahlen ab. Diese Reichweiten sind von diesem Vorfall in keiner Weise betroffen.

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Die NEWS-Gruppe täuschte die Öffentlichkeit über die Auflage seiner
Magazine – auch die Werbekunden in den österreichischen Ministerien.
Foto: Unzensuriert.at

Das mag sein, als Lockargument wird die Auflage jedoch sehr wohl eingesetzt. Auf den B2B-Seiten der NEWS-Gruppe wird neben der Zahl der Leser und der damit verbundenen Reichweite bei jedem einzelnen Magazin die Druckauflage angeführt. Bei NEWS stehen da heute (11.2.2012) 205.289 Stück, bei profil 96.450 und bei Format 58.256. TV-Media, das von den Magazinen der NEWS-Gruppe die größte Verbreitung erfährt, wird laut Verlagswebseite 244.454-mal gedruckt. Wie stark diese Zahlen nun nach unten korrigiert werden müssen, ist auch nach Bogocz‘ Geständnis nicht klar. Zwischen zwei und dreißig Prozent sollen die Manipulationen ausgemacht haben, die bei der ÖAK unentdeckt geblieben waren.

Was Bogocz in seiner noch kurzen Zeit als Vorstand seit Jahresbeginn neben der Auflagenschwindelei noch aufgefallen ist, ist die enge Verzahnung zwischen Medien und Politik. Nach zwanzig Jahren in der Medienvertriebsbranche in Deutschland stellt der NEWS-Chef fest:

In Österreich ist es sicher einfacher, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, auf allen Ebenen. Nicht nur in der Werbekundschaft, ich habe sehr viele persönliche Gespräche auch mit Ministern geführt.

Über Inseratenaufträge will Bogocz in den „Kennenlern-Gesprächen“ immerhin (noch) nicht gesprochen haben.

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