Constantia und Immofinanz: Sal. Oppenheim lässt grüßen!

Der Niedergang der einstmals größten Privatbank Europas, Sal. Oppenheim, stellt keinen Einzelfall dar. Bei eingehender Betrachtung drängen sich Parallelen zur Constantia Privatbank auf. Diese war das erste Bankhaus das mithilfe von Staatsgarantien im Umfang von 400 Millionen Euro aufgefangen wurde.

Der Grund für den spektakulären Niedergang des kleinen Finanzimperiums von Christine de Castelbajac ist derselbe wie beim nahezu gänzlich untergegangenen Imperium der Familie Oppenheim – man hat sich in den Reihen des Managements verspekuliert. Der Löwenanteil der Schuld dürfte auf Karl Petrikovics entfallen, den „Schöpfer“ von Immofinanz und Immoeast. Um die Rentabilität der Constantia zu steigern, kaufte er im Jahr 2007 – etwa ein Jahr vor der Pleite – Aktien der beiden Institute im Wert von einer Milliarde Euro und hoffte von den seiner Ansicht nach zu erwarteten Wertsteigerungen zu profitieren.

Träume erweisen sich oft als Schäume, auch jene scheinbarer Börsengurus. Die Kurse von Immoeast und Immofinanz stiegen nämlich nicht, sondern brachen, kurz nach dem Kauf der Aktien, stattdessen um mehr als 90 Prozent ein – woraufhin man versuchte einen Käufer für die Bank zu finden. Der Fall von Lehman Brothers brachte den Plan zum Scheitern, Liquidität wurde im Privatbankhaus binnen weniger Tage zur Mangelware. Castelbajac und ihre Vertrauten, meist Träger illustrer Namen, mussten die Privatbank schließlich um einen Euro an die fünf heimischen Großbanken (Bank Austria, RZB, Erste Bank, Bawag-PSK, Volksbanken)  abgeben, nachdem sich am 16. Oktober 2008 gezeigt hatte, dass ein Verkauf die letzte mögliche Alternative ist.

Die Finanzmarktaufsicht hat sich, wie so oft, auch in diesem Fall als zahnloser Tiger erwiesen. Dubiose Vorgänge kamen, ganz wie im Fall der BAWAG erst ans Licht, als die Bank bereits baden ging. Es gelang den Wächtern der heimischen Kapitalmärkte  wiederum nicht, Schaden vom Steuerzahler abzuwenden.  Kuriosum am Rande: Die Privatbank stellt bis heute das Management der Immofinanz-Gruppe. Finanzminister Pröll scheint’s nicht zu stören.  

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