IKG: Muzicant-Freunde bekommen prominente Konkurrenz

Ariel Muzicant Eine demokratische Aufbruchstimmung scheint es nun auch in der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien zu geben. Nachdem mit Ariel Muzicant seit 1998 ununterbrochen ein und derselbe Präsident an der Spitze der Kultusgemeinde gestanden hat, gibt es für die Wahlen im November diesen Jahres mehrere Alternativen zu Muzicants Fraktion. Dieser möchte zwar selbst nach 14 Jahren nicht mehr selbst für das höchste Amt kandidieren, sieht aber in seinem bisherigen Stellvertreter Oskar Deutsch den logischen Nachfolger, den er auch unterstützt. Dass der Präsidentensessel zur Erpacht der Fraktion um Muzicant werden könnte, stört offensichtlich viele Gemeindemitglieder. Deshalb regt sich Widerstand, und es wird nach alternativen Kandidaten und Wahlvorschlägen Ausschau gehalten. Und diese könnten der Fraktion von Muzicant im Herbst gefährlich werden.

Patricia Kahane als Kandidatin für IKG im Gespräch

Ariel Muzicant

Ariel Muzicant

Um die Muzicant-Nachfolge bewerben sich prominente Kandidaten.
Foto: Presse-Fotograf Helmut D.

Zum einen wird Patricia Kahane als Alternativvorschlag in Kreisen der Kultusgemeinde gehandelt. Jüngst berichtete auch das Nachrichtenmagazin profil (Ausgabe 13.02.2012) unter dem Titel "Kandidatur"  über dieses Projekt. Patricia Kahane ist die älteste Tochter des Industriellen Karl Kahane. Der 1993 verstorbenen Kahane war als Unternehmer sehr erfolgreich, zu seinem Imperium gehörten unter anderem die Montana AG, die Bank Gutmann, die Jungbunzlauer AG, Terranova, die Veitscher Magnesitwerke (heute RHI) sowie die Donau Chemie. Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer war Kahane auch wirtschaftspolitischer Berater und enger Freund von SPÖ Bundeskanzler Bruno Kreisky und engagierte sich im Nahostdialog für eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. Seine Tochter Patricia ist heute Präsidentin der Karl-Kahane-Stiftung, im Aufsichtsratsvorstand der Bank Gutmann sowie im SPÖ-nahen Bruno-Kreisky-Forum höchst aktiv. Auch sie ist wie ihr Vater sozial und außenpolitisch sehr engagiert.

Spera-Ehemann Martin Engelberg als weiterer Kandidat

Neben Kahane will auch der Consulter und Geschäftsführer der Wiener Psychoanalytischen Akademie, Martin Engelberg, bei der Wahl des Kultusgemeindepräsidenten mit einer eigenen Kandidatur mitmischen. Engelberg ist Ehemann von Danielle Spera, der langjährigen ORF-Journalistin und nunmehrigen Direktorin des Jüdischen Museums in Wien. In einem Porträt in der Wiener Zeitung wird der als bürgerlich-liberal geltende Engelberg als Brückenbauer dargestellt, der zum Nutzen der Kultusgemeinde vor allem den Dialog suchen will. Sowohl der bürgerliche Engelberg als auch die der Sozialdemokratie nahestehende Patricia Kahane werden von Kennern jedenfalls als ernsthafte Alternativkandidaten gehandelt, die für die Zukunft eine auch innenpolitische Neupositionierung der Kultusgemeinde in Angriff nehmen könnten. Zuletzt waren die Aktivitäten Ariel Muzicants an der Seite gewaltbereiter Aktivisten gegen den WKR Ball durchaus auf sehr geteilte Meinungen auch in der Kultusgemeinde gestoßen.

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