Vinzi-Projekt: Heiße Würstel von Obdachlosen

Früher waren die Wiener Würstelstände aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Nach und nach sind die ehemals so beliebten Imbissstände allerdings weniger geworden. Dafür sind Kebapbuden wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden geschossen.

Doch in Ottakring, genauer gesagt am Johann-Nepomuk-Berger-Platz, erlebt der Wiener Würstelstand eine Renaissance. Verantwortlich dafür ist Stephan Rebel, ein ehemaliger Projektmanager, der in Wien gestrandet und in die Obdachlosigkeit abgeglitten ist.

Wie schon viele vor ihm, fand er in der Notschlafstelle VinziBett in Ottakring eine Unterkunft. Seine numehrigen Mitstreiter, die Herren Rainer und Sedlacek, lernte er dort kennen. Und im Grazer St. Vinzenz-Pfarrer Wolfgang Pucher fand Rebel einen Mentor, der für dieses erste derartige Sozialprojekt der Vinzenzgemeinschaft ein Darlehen von 12.000 € zur Verfügung stellte. Dieses Darlehen soll mit den Erlösen der Würstelverkäufe nach und nach zurückgezahlt werden. Die weiteren Erlöse fließen der Vinzenzgemeinschaft zu.

Bei seiner Standortsuche wurde Rebel am Johann-Nepomuk-Berger-Platz fündig, wo er gemeinsam mit seinen Compagnons einem vergammelten Kebab-Stand neues Leben einhauchte. Bei der Umsetzung des Vorhabens kamen Rebel sicherlich seine Managementqualitäten zu Gute. Genehmigungen mussten besorgt und Lieferanten gefunden werden. Mit Hilfe regional ansässiger Unternehmen, die ihre Produkte zu günstigen Konditionen liefern, konnte das Projekt Vinzi-Würstelstand umgesetzt werden und am 20. März unter großer medialer Beachtung seinen Betrieb aufnehmen. Für die Qualität der Wurstwaren bürgt die renommierte Firma Radatz. Frisches Gebäck liefert die Bäckerei Blutaumüller. Standortgerecht wird den Kunden Ottakringer Bier verabreicht.

Träger dieses Sozialprojektes ist der Verein Vinzenzgemeinschaft Heilige Elisabeth, der die Obdachlosen auf dem Weg in ihr neues Leben unterstützt und begleitet. Derzeit sind drei Vollzeit-Beschäftigte und ein geringfügig Beschäftigter angestellt, die nun mit Arbeitsverträgen ausgestattet einer geregelten Arbeit nachgehen können und die Chance erhalten, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Für die Bediensteten herrscht natürlich striktes Alkoholverbot, was vom Verein auch kontrolliert wird, wie dem Unzensuriert-Redakteur versichert wurde. Auswahlkriterien für einen Arbeitsvertrag sind zum einen der Wille, seinem Leben eine neue Richtung zu geben, zum anderen die Fähigkeit, dieses Vorhaben auch umzusetzen. Allen Beschäftigten gemeinsam ist das Schicksal, zwar in die Obdachlosigkeit abgerutscht zu sein, sich aber nicht mit diesem Schicksal abzufinden, sondern ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu wollen.

Weiter: Eine Bratwurst für den guten Zweck

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