Fundis ärgern sich über neue „islamische Landkarte“

IslamkarteIm Internet kann man sich nun direkt über die heimische Islam-Szene informieren. Wer wissen möchte, von wem die Moschee nebenan betrieben wird, schaut ganz unkompliziert unter www.islam-landkarte.at nach. Die Beschreibung der Dachverbände stößt diesen sauer auf. Als Ednan Aslan 2006 eine Professur für die neue Sparte „Islamische Religionspädagogik“ (Ausbildung von Imamen) an der Universität Wien übernahm, waren gelernte Österreicher skeptisch, ob er tatsächlich solch ein moderater Moslem sei wie selbst deklariert und medial dargestellt. Spätestens mit dieser Internetseite, für die Aslan verantwortlich zeichnet, dürften die Zweifel ausgeräumt sein. 

Islamkarte

Islamkarte

Die Islam-Landkarte des Religionspädagogik-Professors Ednan Aslan
gint einen objektiven Überblick der einzelnen islamischen Vereinigungen.
Foto: Screenshot www.islam-landkarte.at

Es sind alle Standorte von Moschee(vereine)n auf einer Österreich-Landkarte verzeichnet samt professioneller Suchfunktion nach Name, Postleitzahl etc. Es ist jeweils angegeben, zu welchem Dachverband die Moschee gehört. Die ideologische Ausrichtung der einzelnen Dachverbände wird gesondert beschrieben.

Ednan Aslan wurde 1959 im nordostanatolischen Bayburt geboren, das ein religiöses Zentrum darstellt, allerdings ein sufistisches. Die Sufis fallen selten durch aggressive Bekehrungen auf, sondern sind spirituell veranlagt (z. B. in Konya die weltbekannten tanzenden Derwische). Ednan Aslan studierte ausgiebig an verschiedenen Universitäten in Österreich, BRD und USA. Er ist ein strikter Gegner der Scharia und setzt sich für einen wandlungsfähigen Islam ein, der sich zeitgemäß zu einem europäischen entwickeln soll und durchaus säkulare Züge tragen darf. Den Funktionären der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ist er auch nach deren Umgestaltung mit Wahlen nach neuem Statut 2011 ein Dorn im Auge.

Österreich-Führung aus erzkonservativem Milli-Görüs-Flügel

IGGiÖ-Obmann Fuat Sanaç ist der Islamischen Föderation (IF) zugehörig. Die „Islam-Landkarte“ gibt zu ihr gleich eingangs folgende Auskunft: „Die Islamische Föderation gilt als Österreich-Sektion der türkischen Milli-Görüs-Bewegung und betreibt rund 60 Vereine in Österreich.“ Und weiter: „Viele der über 60 Imame und SeelsorgerInnen dieser Organisation sind überwiegend im Ausland ausgebildet und verfügen kaum über deutsche Sprachkenntnisse.“ So unangenehm für die IF die Beschreibung beginnt, so endet sie auch: Aslan weist daraufhin, dass es innerhalb von Milli Görüş seit einigen Jahren einen Richtungsstreit gibt: „Bemerkenswert ist, dass die mehrheitlich in Ägypten ausgebildeten Führungspersonen in Österreich dem erzkonservativen Flügel von Milli Görüs angehören und sich der Umgestaltung der Bewegung in Europa widersetzen. Im Gegensatz zur Milli Görüs in Deutschland hebt die Führung von Milli Gürüs in Österreich die Loyalität gegenüber der Führung in der Türkei hervor.“

Sanaçs Wahl wurde nur durch eine Absprache mit dem bei den Wahlen stimmenstärksten Dachverband ATIB möglich. Aslan beschreibt kurz aber prägnant die Abhängigkeit dieses Verbandes, der über die türkische Botschaft in Wien direkt dem Religionsamt in Ankara untersteht. Bei der weniger bekannten Türkischen Föderation wird die Verbindung zu den Grauen Wölfen erklärt. Aslan formuliert das als Kenner von innen für Außenstehende leicht verständlich. Er verzichtet dabei auf jede Gehässigkeit und ist dadurch umso unangenehmer (siehe IF-Proteste in der Wiener Zeitung), zumal sich seine Ausführungen mit dem decken, das bislang immer als „Unwissen“ oder gar „Hetze“ abgekanzelt wurde, wenn die Warnungen von der FPÖ kamen.

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