Leitl will griechische Inseln an Türkei verkaufen

ÄgäisViele Kapitalismuskritiker zählen auch die Wirtschaftskammerfunktionäre zu geldgierigen Zeitgenossen, die sogar ihre sprichwörtliche Großmutter verkaufen würden. Mit seiner Forderung, dass Griechenland Inseln seines Staatsgebiets an die Türkei verkaufen soll, konnte WKÖ-Präsident Christoph Leitl dieses Klischee nun durchaus eindrucksvoll bestätigen.

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Inseln in der Ägäis soll die Türkei den Griechen abkaufen, schlägt Leitl vor.
Foto: Fod / Wikimedia (CC BY 2.5)

Die Griechen haben als erste Europäer den osmanischen Imperialismus zu spüren bekommen: 1453 wurde Konstantinopel (heute Istanbul), die Hauptstadt des Oströmischen Reiches, militärisch eingenommen und die Hagia Sophia von einer Kirche in eine Moschee umgewandelt. Bald befand sich ganz Griechenland unter osmanischer Herrschaft. Erst 1830 konnte es nach einem Aufstand wieder einen eigenständigen Staat bilden. Nach dem verlorenen Griechisch-Türkischen Krieg mussten eineinhalb Millionen Griechen Westanatolien, das sie seit Jahrtausenden besiedelt hatten, verlassen. Die Metropole Smyrna (heute Izmir) wurde 1922 großteils niedergebrannt, die mehrheitlich griechische Bevölkerung teilweise massakriert. Die Griechen konnten fast alle ägäischen Inseln, die bislang in der Mitte ihres Siedlungsgebietes gelegen waren, halten. Nur Imbros (heute Gökçeada) und Ténedos (heute Bozcaada) wurden der Türkei zugesprochen. Die griechische Bevölkerung war von der Deportation ausgenommen, hielt aber den nationalistischen Druck auf Dauer nicht aus und ist längst verschwunden. Wer heute auch in Wien mit türkischen Nationalisten ins Gespräch kommt, hört, dass es ein Wahnsinn sei, dass die Griechen auf allen ägäischen Inseln säßen. Sie wissen sich damit im Gleichklang mit ihrem Ministerpräsidenten Erdogan, der gänzlich unverblümt eine neo-osmanische Außenpolitik verfolgt.

"Den Türken wäre das sicher viel wert, und Geld hat die Türkei"

Vor vier Tagen gab Leitl zum Thema Euro-Krise ein Interview. Er zählt zu jenen, die die Auspressung der österreichischen Bevölkerung befürworten, um damit Griechenland, wo trotzdem eine Massenverelendung einsetzt, zu „retten“. Leitl, der immer das wahnwitzige Zusammenspannen von Hart- und Weichwährungsländern in der Euro-Zone mitbetrieben hat, wartete mit einem originellen Vorschlag auf, den er gestern noch einmal erneuerte: Griechenland soll sich von seinen Inseln trennen. Nun wäre vielleicht wirklich überlegenswert, ob EU-Staaten vorübergehend die Steuerhoheit über Inseln übernehmen, so wie es im Mittelalter mit Städten oder Ländereien gehandhabt wurde. Leitl meint es aber ganz anders, die Inseln sollen an die Türkei verkauft werden: „Das wäre aheliegend. Es gibt zahlreiche dieser griechischen Inseln in Sichtweite der türkischen Küste – den Türken wäre das sicher viel wert, und Geld hat die Türkei.“

Auch Wien verkaufen – oder Oberösterreich?

Ja, warum eigentlich nicht auch Wien an die Türkei verkaufen, das wäre Erdogan auch etwas wert und dann brauchte es kein „Stabilisierungspaket“? Auf seiner Internetseite führt Leitl unter „Werte“ auch „Grenzenloser Einsatz“ und „Verantwortung für Europa“ an. Ersteres darf man jetzt mit anderen Augen sehen und Letzteres als Witz, wenn er EU-Gebiete an Drittstaaten verscherbeln möchte. Als Faschingsscherz verstehen könnte man auch die Aussage, dass die Türkei Geld habe. Da hat sich wohl wieder jemand vom 5-Sterne-Hotel in der Istanbuler Fußgängerzone blenden lassen. Das türkische Eisenbahnsystem wurde großteils noch vom wilhelminischen Deutschland gebaut und bei jedem neuen Teilstück der Autobahnen verkündet ein Schild, dass die EU dafür geblecht hat. Vielleicht erhöht man ja die EU-Zahlungen an die Türkei, damit sie sich mehr griechische Inseln leisten kann?

Bei Christoph Leitl kann man wohl nur auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren: Für die vielen bunten Scheinchen mit den Zahlen drauf würde der Oberösterreicher wahrscheinlich sogar sein Bundesland an Tschechien verkaufen…

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