Die Terroristen-Maske der Anonymous-Bewegung

20. Februar 2012 - 10:09

Im Kampf gegen das Zensurabkommen ACTA sicherte sich die Hackergruppe Anonymous zahlreiche neue Unterstützer, die mit der ikonischen Guy-Fawkes-Maske auf die Straße gehen und für Freiheit im Internet demonstrieren. Die Ratifizierung des unausgegorenen Abkommens wurde mittlerweile unterbrochen. Bedeutet das, dass der chaotische Haufen Anonymous sein Ziel erreicht hat? Nicht ganz, wenn man die zugrundeliegende Botschaft seines Erkennungszeichens untersucht - und die Verbindungen, die mit dem Tragen der Maske einhergehen.

Anonymous-Masken

Anonymous-Masken

ACTA-Demonstration in Wien, auch hier sind die Maskierten zu finden.
Foto: [email protected]

Zuletzt sorgten die grünen Bundesräte für Aufruhr, indem sie mit den Masken in einer Sitzung ihre Ablehnung des Abkommens ausdrückten. Der offensichtliche Grund dieser Aktion ist es, den protestierenden jungen Menschen auf der Straße ideologisch näher zu rücken. Doch welche Ideologie wird konkret von der Guy-Fawkes-Maske transportiert?

Es wird allgemein angenommen, dass das weiß geschminkte Gesicht einfach ein Hinweis auf die namensgebende Anonymität des losen Verbandes ist. Tatsächlich ist die Maske allerdings dem Film "V wie Vendetta" entnommen, einem düsteren Science-Fiction-Film, der seinerseits wieder auf den englischen Terroristen Guy Fawkes verweist. Dieser versuchte am 5. November 1605, das englische Parlament zu sprengen und somit die Familie des Königs sowie die gesamte Regierung auszulöschen.

 

Bild

Zeitgenössische Abbildung von Guy Fawkes
Bild: George Cruikshank / public domain

In England ist seither der 5. November, an dem das Attentat glücklicherweise entdeckt wurde, ein Festtag, im Zuge dessen eine Guy-Fawkes-Puppe verbrannt wird. Sich mit diesem gewaltbereiten Element zu identifizieren, bedarf daher eindeutiger Skrupellosigkeit. Die maskierten Demonstranten scheuen sich offenbar nicht, ihre Ablehnung einer staatlichen Struktur, ja selbst der Parlamente, offen zur Schau zu stellen und verehren die gewaltsame Durchsetzung ihrer eigenen Weltanschauung.

Weiters zeigt der Hype um die maskierten Rebellen die Ahnungslosigkeit der selbsternannten Freiheitskämpfer: Jeder, der sich durch das Tragen der Guy-Fawkes-Maske dem Druck der Mediengiganten entgegenzustellen meint - die sich wiederum gegen die Internet-Piraterie engagieren und durch wirtschaftlichen Druck die Entwicklung von Gesetzen wie zum Beispiel ACTA fördern - hat bereits durch den Kauf der Maske, die einem lizensierten Film entspringt, Lizenzgebühren an den Herausgeber und Hollywoodriesen Warner Bros. gezahlt. Keine andere Maske wurde in den letzten Jahren so zahlreich verkauft, über 100.000 Exemplare wechseln pro Jahr für rund sechs Dollar den Besitzer.

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