Kalifatskonferenz in Österreich untersagt

Die Kalifatskonferenz, die am 10. März 2012 in Vösendorf vor den Toren Wiens in Vösendorf geplant war, wird vermutlich nicht stattfinden. Die Bezirkhsauptmannschaft Mödling ließ die Halle schließen, berichtet der ORF Niederösterreich. Dem Betreiber der Halle fehlen demnach zwei Bewilligungen. Eine endgültige Entscheidung soll jedoch erst Anfang nächster Woche fallen.

Hizb ut-Tahrir

Hizb ut-Tahrir

Hizb ut-Tahrir demonstriert in Kopenhagen für die Einführung des Kalfats.
Foto: EPO / Wikimedia

Die Gastgeberorganisation Hizb ut-Tahrir sowie die 500 erwarteten Teilnehmer streben die islamische Weltherrschaft auf Grundlage der Scharia an. Als wichtigstes Instrument hiefür betrachten sie die ehebaldigste Wiedererrichtung des Kalifats. Wer war der ominöse Kalif, was hatte es mit ihm auf sich?

Der Kalif war das islamische Gegenstück zum Papst. Während aber der Papst nur das geistliche Oberhaupt der katholischen Gläubigen ist, war es der Kalif für alle Muslime (mit Ausnahme der schiitischen Untergruppe der Ismailiten, die seit 1817 vom Aga Khan geführt werden). Als Religionsgründer Mohammed 632 starb ohne die Nachfolge geregelt zu haben wurde Abu Bakr, engster Weggefährte und Vater seiner Lieblingsfrau Aischa, erster Kalif.

Streit um Kalif Ali führt zu Spaltung in Sunniten und Schiiten

Der Streit um den vierten Kalifen Ali, ein Cousin und Schwiegersohn Mohammeds, führte zur Spaltung in Sunniten und Schiiten. Nach dem Tod Alis 661 regierten die Kalifen von Damaskus, Bagdad und Kairo aus. Als 1517 die Osmanen Kairo erobert hatten, war der Sitz fortan in Konstantiniyye, wie das ehemalige Konstantinopel und heutige Istanbul bei den Osmanen offiziell hieß. Es bestand nun eine Personalunion von Sultan (osmanischer Herrschertitel, unserem Kaiser entsprechend) und Kalif.

Im 17. Jhdt. erreichte die Macht des Osmanischen Reiches ihren Höhepunkt, das sich über drei Kontinente erstreckende Staatsgebiet war neunmal größer als das heutige Frankreich. Mit der gescheiterten zweiten Belagerung Wiens 1683 ging es sukzessive bergab, bis im 19. Jhdt. nur mehr vom „Kranken Mann am Bosporus“ die Rede war. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg stimmte Mehmed VI. 1920 dem Vertrag von Sèvres zu, der das Osmanische Reich auf ein zentralanatolisches Reservat zusammenstutzte.

Atatürk schickte den letzten Kalifen ins Exil

Abdulmecit

Abdulmecit

Der letzte Kalif Abdülmecit II musste ins Exil gehen.

General Kemal Atatürk akzeptierte das nicht, setzte den Krieg fort und erreichte 1923 den Vertrag von Lausanne mit dem heutigen Staatsgebiet. Er schuf die Türkische Republik, die sich nach Westen orientierte, die türkische Nation hochstilisierte und den Islam aus Politik und Recht verbannte. Im Zuge seiner Reformen schaffte Atatürk 1922 das Sultanat und im März 1924 auch das Kalifat ab. 

Im Nachkriegs-Europa wurde der Kalif gedanklich meist mit den „Geschichten aus 1001 Nacht“ in Verbindung gebracht. Mit dem Aufkeimen des islamischen Fundamentalismus bekommt das Kalifat wieder eine reale Bedeutung. Den Anfang machte Metin Kaplan (der Familienname hat nichts mit dem katholischen Amt zu tun, sondern ist das türkische Wort für Tiger). Er beantragte 1988 Asyl, das 1992 gewährt wurde. 1995 rief er sich zum Kalifen aus („Kalif von Köln“). Als 1997 ein Gegenkalif in Berlin nach einem öffentlichen Mordaufruf Kaplans erschossen worden war, wurde es sogar der BRD zu bunt. Nach einem Dschihad-Aufruf Kaplans 1998 folgte 1999 ein Abschiebeantrag, der 2004 (!) umgesetzt werden konnte. In der Türkei verurteilte die damals noch kemalistische Justiz Kaplan zu lebenslanger Haft.

Hizb ut-Tahrir sieht Kalifat als Zukunftsmodell

Nun unternimmt die Organisation Hizb-ut-Tahrir (HuT) einen neuen Anlauf. In Vösendorf ist die Aufregung groß, bisher hatte man noch keine solche Veranstaltung im Efsane-Hochzeitssalon. Shaker Assem, Österreich-Sprecher der in der BRD verbotenen HuT, versteht dies nicht. Es gehe nicht um Terrorismus, sondern darum, dass das Kalifat ein „Zukunftsmodell“ mit den „richtigen Lösungen für die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Menschheit“ sei.

Islamkritiker und FPÖ übern Druck aus und feiern Erfolge

Sollte die Konferenz nn tatsächlich verboten werden, ist dies als Erfolg islamkritischer Blogs wie SOS Österreich, aber auch der Freiheitlichen zu werten, die vor allem über die steirische Nationalratsabgeordnete Susanne Winter ein Verbot gefordert haben. Ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde der radikalislamischen Organisation bereits in Flandern, wo eine änliche Konferenz von der sozialistischen Bürgermeisterin untersagt wurde. Auch diese Veranstaltung war erstmals von österreichischen Islamkritikern thematisiert worden.

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