Tschetschenen-Demo am Schwarzenbergplatz

In Wien fand am Donnerstag eine tschetschenische Demonstration statt. Der Grund hiefür war der 68. Jahrestag der seinerzeitigen sowjetischen Deportation von über 400.000 Tschetschenen. Ankündigungenließen erwarten, dass hier ansässige Tschetschenen auch gegen die Politik der FPÖ, Asylwerber von einer Rückkehr in ihre Heimat zu überzeugen, demonstrieren würden. Davon war jedoch in dem kleinen Häuflein nichts bemerkbar.

Tschetschenen-Demo

Tschetschenen-Demo

Tschetschenen demonstrieren gegen die russische Herrschaft.

Als die deutsche Wehrmacht im Jahre 1942 zu den kaukasischen Erdölfeldern vordringen wollte, versuchte sie, Helfer unter den einheimischen Völkern zu finden. Im Falle der Tschetschenen durfte man sich über Erfolge freuen. Das „Unternehmen Schamil“ (benannt nach jenem politischen und religiösen Führer, der im 19. Jhdt. die Eroberung des Nordkaukasus durch die Russen um 25 Jahre verzögert hatte) scheiterte und hatte für die Tschetschenen fatale Folgen: Als NS-Kollaborateure wurden ab 23. Februar 1944 über 400.000 von Stalin vor allem nach Kasachstan deportiert und ihre Sowjetrepublik aufgelöst. Kavkazcenter.com, die Internetseite der islamistischen tschetschenischen Rebellen, schreibt in der Ankündigung der donnerstägigen Demonstration vom „russischen Einmarsch in den Nordkaukasus, der 1942 von der deutschen Armee befreit wurde“. Erst Chruschtschow erlaubte 1957 die Rückkehr in die wiederhergestellte Teilrepublik.

Tschetschenen-Demo

Tschetschenen-Demo

Nur eine kleine Gruppe von Tschetschenen
fand dich am Schwarzenbergplatz ein.

Im Dezember 1994 erklärten tschetschenische Partisanen ihre Republik für unabhängig und besiegten überraschend das russische Militär. Moskau schloss 1996 einen Friedensvertrag, der die Klärung des Status für Tschetschenien für das Jahr 2001 vorsah. Dazu kam es aber nicht, weil wahhabitische tschetschenische Verbände im August 1999 ins russische Dagestan einmarschierten, um ein nordkaukasisches Emirat zu errichten. Ministerpräsident Vladimir Putin reagierte hart und zwang die islamistischen Glaubenskrieger in die Knie, die sich aber mit einigen verheerenden Terroranschlägen rächten (z. B. 700 Tote 2002 im Moskauer Dubrovka-Theater). Putin beruhigte die Lage durch Ramzan Kadyrov, einen moskautreuen Präsidenten in Grosny.

Zu Beginn der Demo um 11 Uhr beim „Russendenkmal“ sind die Polizeikräfte zahlenmäßig noch doppelt so stark wie die Teilnehmer (6:3). Der Besucher findet nach einem Mittagessen im Café Schwarzenberg zur Halbzeit um 12 Uhr 28 Personen vor. Ein älterer Mann hält per Megafon eine Rede auf Tschetschenisch. Es werden zwar auch zwei rot-weiß-rote Fahnen geschwenkt, für interessierte österreichische Passanten gibt es aber nicht einmal ein schlichtes Flugblatt. Das Fotografieren bleibt weitgehend unbemerkt, nur ein Bub, dessen Transparent Putin als Mörder anklagt, fordert einen anderen belustigt auf: „Sag´ ‚Cheese‘!“

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