Buch-Provokation „Wir kommen“: Getürkte Weltsicht

Türkei-FahneOhne Türken hätte Österreich keine Zukunft und sogar Weihnachtsfest und -baum haben sie erfunden. Wer das schreibt ist ein 24-jähriger in Wien Wirtschaft studierender gebürtiger Linzer. Sein Familienname bedeutet Turkmene und sein Vater ist Kurde. Trotz österreichischer Staatsbürgerschaft fühlt er sich zu 100 % als Türke. Inan Türkmen, der aus der kurdisch-alevitischen Provinz D?rsim stammt, kennt zwar die dortige Lage („Der Rassismus gegenüber den Kurden ist schlimmer als alles, was es derzeit in Mitteleuropa gibt.“), aber er übernimmt dessen ungeachtet sämtliche Positionen des türkischen Nationalismus.

Türkei-Fahne

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Legenden gegen Fakten. Das türkische Gegenprodukt zu
Sarrazins Buch ist äußerst dünn geraten.
Foto: michaelthurm / flickr

Das Buch selbst umfasst netto nicht einmal 80 Seiten im Kleinformat und ist auch aufgrund seines saloppen Stils flugs gelesen. Anlassfall war ein Deutscher in Berlin, der ihm gereizt „Was du wollen?“ ins Gesicht schleuderte. Türkmen war zwar ein Problemschüler und schickte gerne freche Österreicher zu Boden, aber das gab sich bald, denn: „Türken sind Studien zufolge besonders gute Krisenmanager. Sie sind sehr stressresistent und bleiben gelassen.“ (S. 16) So ging er einfach. Nachher tat ihm aber leid, dem Deutschen nicht alle Argumente für die türkische Überlegenheit aufgezählt zu haben: „Ich bin wütend.“ Und so setzte sich der kleine Wut-Türke an den Computer (eine Branche übrigens, in der die Türken bald ebenso wie im Weinbau die Führung übernehmen werden) und schrieb seinen Aufsatz, der als Büchlein dank der hiesigen Xenomanen auch gehörig Kohle bringen wird. Nebenbei sollte auch noch dem „Wurstel“ Thilo Sarrazin (S. 27) eins ausgewischt werden.

Jünger, hungriger, schneller, stärker

Die Aggression staute sich schon in der Kindheit auf als in der Schule immer die Rede von den Türkenbelagerungen war und von den vielen Mahnmale dazu. Türkmen würde sie am liebsten entfernen und grollt: „Wenn sich die ohnehin ziemlich starken österreichischen Rechtspopulisten durchsetzen und alle Türken aus Österreich vertreiben, stellen sie wahrscheinlich Gedenktafeln überall dort auf, wo heute ein Kebapstand ist.“ (S. 14) Die schrumpfende und vergreisende österreichische Bevölkerung würde (sinngemäß) den Türken Dank schulden, diesen aber verweigern. Das würde ihr aber nichts nützen, denn – so die Titel der Abschnitte: „Wir sind mehr“, „Wir sind jünger“, „Wir sind hungriger“, „Unsere Wirtschaft wächst schneller“, „Wir sind stärker“.

Türkmen scheut auch nicht vor ganz peinlichen Passagen zurück: „Das reale Vorbild für den Nikolaus war ein Türke.“ (S. 23) Das muss dann wohl ein Vorreiter gewesen sein, denn die ersten Türken erreichten Anatolien erst knappe 800 Jahre später (11. Jhdt.). Christbaum und Weihnachtsfest wurden (türkischen) Studien zufolge von Türken erfunden. (S. 23/24) L?gari Hasan Çelebi (S. 48) sei schon im 17. Jhdt. mit einer Rakete über den Bosporus geflogen (was von der Wissenschaft längst in die Kategorie „Münchhausens Kanonenkugel“ verwiesen wurde). Und der deutsche Dichterfürst Goethe (1749-1832), ein „schlauer Kerl, eigentlich“ (S. 93), sei vermutlich ein Nachkomme des türkischen Hauptmannes Soldan (1270-1328) (S. 91).

Und so geht es munter weiter: Türkische Eltern würden ihre Kinder viel intensiver zur Karriere drängen (schade, dass es trotzdem so oft nicht zum Pflichtschulabschluss oder Job reicht), und der türkische Wirtschaftsaufschwung sucht Seinesgleichen (bei wachsenden Armutsvierteln in den Großstädten). Als Bestätigung dient dem WU-Studenten passender Weise ein Zitat von Mirko Kovats, der jüngst sein Imperium vergeigt hat.

Resümee: Im Südosten nichts Neues. Eine halbstarke Nation bleibt von der Welt unverstanden – und wütend.

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