Putin-Wahl: Eine gute Nachricht für eine multipolare Welt

Die Präsidentenwahl in Russland war noch nicht geschlagen, wurden bereits die erwarteten Manipulationsvorwürfe erhoben. Die Demonstrationen in der Hauptstadt Moskau werden seit Monaten von westlichen Medien glorifiziert, ohne dass dabei auch nur die geringste Alternative zu Wladimir Putin und seiner politischen Bewegung herauskristallisieren würde. Der Geopolitologe, Herausgeber der Zeitschrift Revue Française de géopolitique und Betreiber der Webseite Realpolitik.tv Aymeric Chauprade, fasst in einem Kommentar die westliche Agitation gegen den wiedergewählten russischen Präsidenten Putin zusammen. Er spricht sich für eine Welt aus, in der die Ausgewogenheit mehrerer Großmächte die einseitige Dominanz eines einzelnen Staates ersetzt. Chauprade hat sich bereits in der Vergangenheit mehrmals UN-kritisch geäußert, besonders was militärische Interventionen betraf, und ist ein Gegner der US-Hegemonie. Unzensuriert.at mit einer Übersetzung seines Kommentars.

 

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Aymeric Chauprade kritisiert die Folgen der einseitigen Berichterstattung.
Foto: Realpolitik.tv / wikimedia / GNU

Der vergangene Sonntag, 4. März 2012, wird wohl ein Tag sein, der in die Geschichte eingeht. Wladimir Putin hat neuerlich die Präsidentschaft von Russland erlangt. Ich hatte schon früher einmal geschrieben, dass im Jahr 1999 ein Wendepunkt in der Geschichte der zeitgenössischer Geopolitik eingetreten war, als der damalige Machtantritt Putins den Versuch Amerikas, eine unipolare Welt zu errichten, zum Scheitern brachte. Wir können heute bestätigend ausführen, dass Putin dabei Erfolg haben wird, eine sich bereits abzeichnende multipolare Welt zu konsolidieren und der amerikanischen Oligarchie und ihrem "tiefen Staat", dessen okkulte und aggressive Vorgangsweise (gerade jetzt in Syrien) die Möglichkeiten für den Weltfrieden von Tag zu Tag mehr weiter erodieren lässt, paroli zu bieten.

Formale Unregelmäßigkeiten ändern nichts an Putins Legitimität

Wieso können wir so etwas sagen? Einfach aufgrund der Beobachtung der medialen Kampagne gegen Putin, die jeder von uns in den vergangenen Monaten in Europa und den Vereinigten Staaten erlebt hat. Pech für diejenigen Kläffer, die uns den üblichen Unterricht in Demokratie erteilen wollen (also die kleine Fußtruppe der westlichen Oligarchie): Das russische Volk hat mit überwältigender Mehrheit Putin unterstützt. Diese unbestreitbare Legitimität von Putin kann auch nicht im geringsten durch irgendwelche kleine formale Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung in Frage gestellt werden, wie sie in einem so großen Land wie Russland statistisch unvermeidlich und sicherlich viel weniger gravierend sind als die seltsame Komödie mit den vorgestanzten Stimmzetteln bei der Wahl von Bush oder die eben in Frankreich gegenüber einer Kandidatin mit fast 20 Prozent Stimmengewicht gespielte Obstruktionspolitik.

Wladimir Putin, als der vom russischen Volk gewählte Präsident, wäre in früheren Zeiten wohl als Wladimir, der Auserwählte bezeichnet worden; heute ist er zweifellos in der nördlichen Hemisphäre das Staatsoberhaupt mit dem höchsten Grad an Legitimität. Dies wird auch denjenigen, die bereits an der Fähigkeit der Politik gezweifelt haben, neue Hoffnung geben. Sein Land wieder als Großmacht zu etablieren und dabei gleichzeitig die überwältigende Unterstützung seines Volkes zu genießen, ja, das ist Grund genug für Optimismus!

Souveränität der Völker und individuelle Freiheitr stehen auf dem Spiel

An diesem Wahlabend des 4. März 2012 hatte jedenfalls der internationale Dissens einen kritischen Punkt erreicht, der wohl entscheidend für die Zukunft sein dürfte. Wir müssen mit vereinten Kräften kämpfen, denn über die Aufgabe hinaus, dass die souveränen Völker Widerstand gegen das Imperium leisten müssen, darf man nicht vergessen, dass letztlich dabei die Frage der individuellen Freiheit auf dem Spiel steht. Das Imperium, das ist jene Maschinerie, welche die Menschen verdummen und zu reinen Konsumbürgern machen möchte, weit noch über das hinaus, was uns einmal in "1984" oder "Brave New World" vorausgesagt wurde. Demgegenüber sind die Staaten, die uns heute als starre Diktaturen (Syrien, Iran,…) präsentiert werden, so etwas wie die ersten Kriegsdienstverweigerer, die dem mondialen Big Brother die Gefolgschaft verweigern, während dieser seine wahren Absichten immer weniger hinter seiner Maske zu verbergen vermag. Diejenigen, die, nachdem sie mit den Bildern der unleugbaren Brutalität des Krieges in Libyen und Syrien konfrontiert waren, immer noch Zweifel hegen, erinnere ich daran, dass sie immer nur die eine Seite der Geschichte gesehen haben. Für die andere Seite gibt es nämlich kein Rampenlicht in den westlichen Medien.

Nur wer pro-amerikanisch ist, ist eine Demokratie

Diese andere Seite hatte ich kennengelernt, allerdings ohne viel eigenes Dazutun, als ich im Jahr 1996 im Südlibanon mit den verkohlten Leichen von Hunderten libanesischen Frauen und Kindern konfrontiert war, die geglaubt hatten, dass ein UN-Unterstand ein geheiligter Ort sei, der nie von einer Armee angegriffen würde. Die Ärmsten konnten nicht wissen, was ich angesichts ihrer verkohlten Körper zu verstehen lernte: Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben und das Gesetz gilt nur für die Besiegten. Wer Mitglied des Klubs ist, der sich gestattet hat, über Atomwaffen zu verfügen, der darf auch ein Land auslöschen und er tut es im Namen einer selbstdekretierten Legalität, wenn etwa ein Land dem Klub ohne seine Zustimmung beitreten möchte. Wer pro-amerikanisch ist, ist zwangsläufig eine Demokratie, und selbst wenn dem nicht so sein sollte, spielt es keine Rolle. Eine Demokratie, die nicht pro-amerikanisch sein sollte, wird hingegen nicht als solche wahrgenommen … sie kann eben keine Demokratie sein!

Den NATO-Bombardements ins Auge blicken

Ich verstehe, dass die Menschen von den Bildern über die Bombardierung von Homs erregt sind und die Lage der dort eingekesselten Zivilisten ist sicherlich eine verzweifelte. Aber man muss auch den Mut haben, den Resultaten der NATO-Bombardements in Serbien, im Irak, in Libyen und in Afghanistan ins Auge zu blicken; ebenso wie den Resultaten der israelischen Bombardements im Gaza-Streifen oder im Süd-Libanon. Denn die verkohlten Körper dieser Kinder, dieser Frauen, die werden uns nie gezeigt! Und ebensowenig hört und spricht man von den Kriegsberichterstattern, die unter westlichen Bomben in den sogenannten "humanitären Kriege" der post-sowjetischen Ära ihr Leben lassen mussten.

Auch im "Westen" werden Wahlen manipuliert

Aber vielleicht sind die Menschen, wenn sie nachdenken, dennoch in der Lage sich vorzustellen, was uns die westlichen Fernsehstationen niemals zeigen (es bedarf dazu keiner tiefschürfenden Studien, ein wenig gesunder Menschenverstand sollte schon ausreichen) …

Zusammengefasst:

  1. Der Westen hat in den Angriffskriegen, die im Namen einer "humanitären Intervention" seit dem Jahr 1990 geführt hat, mehr Menschen getötet als alle die politischen Systeme, die er bekämpfte.
  2. Es gibt mindestens bei den Wahlen in den als demokratisch bezeichneten westlichen Ländern (insbesondere in Frankreich und in den Vereinigten Staaten; die Schweiz als einzige echte Demokratie in Europa möchte ich ausnehmen) mindestens ebenso viele Mogeleien und Fälschungen, wie man es heute Russland vorhält, das in den Medien als ewige Autokratie dargestellt wird.

Fazit: Wir sollten uns nicht weiter wie Idioten behandeln lassen, denn es gibt auch bei uns in Frankreich noch einige Denker, die noch nicht "gefügig" gemacht wurden und es wagen, weiter zu denken. Als Kind habe ich in meiner Schule (ich hatte stets nur öffentlichen Schulen besucht) gelernt, dass die Schule das Ziel verfolge, dem Menschen das kritische Denken beizubringen. Ich hoffe, ich konnte diesem Ziel bis heute treu bleiben.

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