Vergeben Casinos weiterhin Spielerkredite?

Es vergeht nahezu keine Woche, ohne dass die Casinos Austria AG (CASAG) in den Schlagzeilen der Medien auftaucht. Ausgehend von den derzeitigen Untersuchungen des Korruptions-U-Ausschusses und dem laufenden Lizenzvergabeverfahren interessiert sich die Öffentlichkeit für das enge Netzwerk zwischen Politik, Verwaltung und CASAG, das seit deren Gründung 1967 den Glücksspielmonopolisten in  vielfältiger Art und Weise privilegiert hat.  Neben dem Lobbyismus, den die CASAG seit vielen Jahren in eigener Sache betreibt, steht aber auch die alltägliche Geschäftsgebarung im Fokus des Interesses. Eine parlamentarische Anfrage, die der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) an ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter gestellt hat, soll Licht ins Dunkel der sogenannten „Spielerkredite“ und „Privatschecks“ bringen, die von der CASAG an Spieler vergeben werden.

Die Tradition der Spielerkredite an Casinobesucher

Spielkarten

Spielkarten

Spieler haben bei den Casinos Austria ein gutes Blatt.
Foto: Toth / Wikimedia

Ausgehend von einer Meldung der Tageszeitung Die Presse aus dem Jah  2010 geht der Anfragesteller Graf nun den Kreditgeschäften der Casinos mit ihrem Publikum auf den Grund. Die Presse meldete am 8. Juli 2010, dass bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Prüfung sogenannter Spielerkredite bei der CASAG im Laufen sei. Damals bestand der Verdacht, dass der Glücksspielmonopolist gegen das Bankwesengesetz verstoßen würde. So soll es gängige Praxis sein, Stammgästen Geld zum Spielen vorzustrecken. Die Casinos sollen eine Liste führen, die mehrere hundert Namen umfasst, und als Grundlage für diese Kreditgeschäfte der besonderen Art dient.

Spielerkredite bis zu 200.000 Euro?

Im Einzelnen sollen Beträge, die als „Spielerkredite“ bei der CASAG verbucht worden sind, mehrere zehntausende Euro erreichen, in einem Fall waren es sogar 200.000 Euro. Diese Praxis soll schon seit Jahrzehnten bestehen, dadurch wurde ein Graumarkt im Finanzgeschäft aufgebaut, der an den Kontrollen des österreichischen Kreditwesens komplett vorbei organisiert worden ist. Als die Vorstandsetage der Casinos zu dieser Causa durch die Medien angesprochen wurde, ließ Generaldirektor Karl Stoss mitteilen, dass es sich dabei um Altlasten handle.

Die „Privatschecks“ von Generaldirektor Karl Stoss

Weiters definierte Stoss diese Art der Spielerkredite als „Privatschecks". Diese dürften unter ihm als Generaldirektor nur mehr von Personen angenommen werden, deren Bonität einwandfrei geprüft worden sei. Laut Stoss sei diese Geldvergabe mit anderen gängigen Zahlungsmitteln vergleichbar und würde nur noch "in seltenen Ausnahmen" genehmigt. Es wurde berichtet, dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) diese „Praxis“ untersuche, da es sich bei diesen „Privatschecks“ bzw. „Spielerkrediten“ um eine gewerbsmäßige Kreditvergabe und somit eine Geschäftsgebarung nach dem Bankwesengesetz handle. Damit hätten die Casinos illegal gehandelt, und es wäre eine Verwaltungsstrafe fällig. Aus der Öffentlichkeit verschwand dieses Thema so schnell, wie es aufgekommen ist. Ob die FMA tatsächlich etwas bei den Ermittlungen herausbekommen hat, bleibt eine spannende Frage.

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