„Ethnisch einheitliche Nation“: Bundeszentrale informiert über die Türkei

Ein großes Wirtschaftswachstum (2013 wird ein Plus von 4,5 % erwartet) hat die Türkei selbstbewusst gemacht. Unter Premier Erdogan hat sie den Sprung zu einer Mittelmacht im Nahen Osten geschafft, durch die Massenzuwanderung von Millionen vorwiegend anatolischer Türken, ist sie zu einem europäischen Faktor geworden. Wer sich über die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des "Aufsteigerstaates" informieren will, kann seit einen Tagen zu einem Heft der deutschen "Bundeszentrale für politische Bildung" (BPB) greifen, das in hoher Auflage kostenlos an Institutionen aller Art geliefert wird. In Schule ergänzt diese Reihe das Unterrichtsmaterial.

 

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Der türkische Nationalismus ist stark ausgeprägt.
Foto: QuartierLatin1968 / wikimedia / (CC BY-SA 3.0)

Dass solche Publikationen nicht nur etwas über den Gegenstand aussagen, sondern mindestens genauso viel über die Verantwortlichen und die politische Situation im Entstehungsland (sofern man Vergleiche ziehen will), liegt auf der Hand. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist diese Publikation über den Bosporus-Staat gleichsam "doppelt", ja "dreifach" interessant. Bereits im Vorwort ist zu lesen: Die Mehrheit der Bevölkerung sehe "sich als Teil einer einheitlichen, ethnisch geprägten türkisch-muslimischen Nation". Eine solche Selbstdefinition – in der Türkei angesichts des Kurdenkonflikts ohnehin zu hinterfragen – zieht im deutschen Sprachraum, in Hinblick auf die eigene Nation geäußert, regelmäßig einen Aufschrei des linksliberalen Medien- und Parteienestablishments nach sich, garniert mit den üblichen hysterischen Bezichtigungen, die gemeinhin von "rechtsextrem" bis "nazistisch" reichen. Die Bezeichnung "ethnisch" ist ohnehin restlos tabuisiert: Die Sarrazin-Debatte hat dies hinreichend gezeigt. An dieser Stelle bleibt sie selbstredend ohne Problematisierung, man will zumindest auch einmal "sachlich informieren" – das ist nicht eben wenig und geht deshalb in Ordnung.

Nationalstolz ab dem Kindergarten Teil der Erziehung

Mit Kritik hält man sich also bis auf wenige Kommentare zurück, lapidar wird auf Seite 13 festgestellt: "Bis heute ist der Nationalstolz Teil der Erziehung der Türkei, was im Kindergarten beginnt". Was für die Türkei, die laut dem linksliberalen Establishment zum Wohle aller EU-Mitglied werden soll, recht ist, ist hierzulande aber nicht billig. Seit Jahrzehnten in Mode ist die fortwährende zwanghafte "Dekonstruktion" der Nation als "Erfindung", die Vermittlung eines Schuldstolzes durch Medien und in der Schule, auf den Türken mit Kopfschütteln reagieren müssen.

Die meisten türkischen Medien stehen rechts

Ein Blick auf die türkische Medienlandschaft ermöglicht Seite 39: Von den 14 Tageszeitungen, deren Auflagen teilweise weit über 100.000 Exemplaren liegen, sind ganze 8 "national", "nationalistisch", "konservativ", "konservativ-rechts" oder "national(-islamistisch)". Die Zeitung "Hürriyet" (Auflage: ca. 500.000) mit maßgeblichem Einfluss auf die türkischen "Communities" in Europa führt übrigens auf dem Titelblatt den Wahlspruch "Die Türkei den Türken". Offenkundig scheint diese Presselandschaft dem Land wenig abträglich zu sein. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik gibt es, lässt man die immer weiter nach links gerutschte FAZ außen vor, genau eine Zeitung, die eine signifikante Reichweite hat und zugleich konservativ oder "rechts" ist: Die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT (Auflage: ca. 20.000). Sie hat eine bewegte Geschichte: Brandanschläge auf die Druckerei, eine bewusst wirtschaftlich schädigende Verfolgung durch den von der SPD gesteuerten NRW-Verfassungsschutz, Drohungen gegen Mitarbeiter, die denunziatorische Veröffentlichung von Autoren- und Abonnentendaten im Netz.

Solidarität kennt auch mit muslimischen Brüdern Grenzen

Das Thema "Einwanderung" lässt die BPB übrigens aus. Dabei wäre ein Blick auf die Integrationspolitik des türkischen Staates hochinteressant: Jeder Einwanderer, der sich um die Staatsbürgerschaft bemüht, muss einen türkischen Nachnamen annehmen, den Wohnort bestimmt in Folge der Staat, eine finanzielle Alimentierung ist unbekannt. Ein Lied davon konnten einst die Flüchtlinge aus dem umkämpften Bosnien singen: Sie wurden kurzerhand im Kurdengebiet angesiedelt. Die Solidarität selbst mit muslimischen Brüdern hat enge Grenzen, Vorrang unter Erdogan hat die Staatsräson.

 

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Die Extremisten begrüßen sich mit dem "Wolfsgruß".
Foto: Canlanma / wikimedia / (CC BY-SA 3.0)

Geradezu amüsant sind die Ausführungen über die türkischen Ultranationalisten der Partei MHP ("Graue Wölfe"). Sie haben bereits vor Jahrzehnten in der Bundesrepublik Fuß gefasst und bezeichnen sie selbstbewusst als "westtürkisches Gebiet". Man sieht ihre Anhänger nicht selten auf Antifa-Demos, auf denen sie Türkenfahnen schwenken und die Finger zum "Wolfskopfzeichen" formen, frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Sie werden ohne jeglichen Hinweis auf ihre Tätigkeit in der Bundesrepublik nur sehr knapp und vage zusammen mit den "Neonationalisten" abgehandelt. Und: Sie lassen sich "nicht mit den Kategorien 'rechts' und 'links' fassen" – so die BPB. Eine erstaunliche Feststellung! Der "Kampf gegen rechts", den auch die BPB mit linker Schieflage betreibt (vgl. Dossier "Rechtsextremismus" unter Beteiligung zahlreicher Autoren aus dem linksextremen Antifa-Milieu), dürfte sie also nicht treffen.

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