Österreichische Post verweigert Südtirolern Briefmarke

Einen Skandal der besonderen Art leistete sich vor kurzem das teilverstaatlichte Post. Grundsätzlich ist es jedem Interessenten möglich, sich über das Portal der Österreichischen Post AG unter dem Titel „Meine Marke“ individuell gestaltete Briefmarken anfertigen zu lassen. Dieses für Jedermann zugängliche Angebot wollte der Südtiroler Heimatbund nutzen, um zum Themenkreis „Doppelte Staatsbürgerschaft“ für die Südtiroler Landsleute eine entsprechende Marke anfertigen zu lassen. Dieses Anliegen passte aber offensichtlich einem Sachbearbeiter der Post aus politischen Gründen nicht. So lehnte er den Auftrag des Südtiroler Heimatbundes mit der Begründung ab, dass es Aufgrund der Thematik der Markengestaltung zu Protesten kommen könnte. Darüber hinaus wurde das Ansinnen des Heimatbundes als eine Agitation für einen „Anschluss Südtirols an Österreich“ punziert. Dies stieß sowohl beim Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Roland Lang, als auch beim FPÖ-Südtirolsprecher Werner Neubauer auf Unverständnis und Widerstand.

Offener Brief an Faymann und Spindelegger

Schloss Tirol

Schloss Tirol

Die Südtiroler sollen keine "Selbstbestimmungsbriefmarke" bekommen
Foto: Herbert Ortner / Wikimedia

Lang verfasste auf der Grundlage dieser Vorgänge einen Brief an SPÖ Bundeskanzler Werner Faymann und ÖVP Vizekanzler Michael Spindelegger, wo er diese Vorgangsweise mit klaren Worten ansprach. Unter anderem führte er aus:

Es ist für den Südtiroler Heimatbund nicht nachvollziehbar, wie ein Postbeamter, der sich nebenbei hinter dem Kürzel "MS" versteckt und nicht einmal seinen Namen nennt, beim gemeinsam getragenen Ansuchen aller deutschen bzw. ladinischen Parteien und Bewegungen in Südtirol, die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft mit der Bezeichnung eines  „Anschluss von Südtirol“ abtun kann,  wobei das Wort „Anschluss“  seit 1938 nazifaschistisch belastet ist. Wir hoffen sehr, dass diese Wortwahl nicht in bewusst diffamierender Absicht gebraucht wurde.

Südtiroler Heimatbund forderte Gleichberechtigung

Auch zur Ungleichbehandlung mit den Auslandsitalienern, die eine solche Marke von der Italienischen Post zugestanden erhalten haben, fand Lang klare Worte:

Italien hat mit zwei Briefmarkenausgaben die Einführung der Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft der Auslandsitaliener gefeiert. Welch Freude und Stolz für alle Italiener in der Welt, wenn ihr Vaterland auch mit Briefmarken die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft und damit das Wahlrechtes der Auslandsitaliener ehrend hervorhebt! Da sich der anonyme Postbeamte "MS" in Wien bei seiner Ablehnung auf eine politische Wertung beruft, wenden wir uns an Sie als Politiker der Republik Österreich, das wir in unseren Herzen trotz solcher Brüskierungen immer noch als Vaterland empfinden. Wir erwarten uns, dass Österreich uns Südtirolern gegenüber die gleiche positive Einstellung zum Ausdruck bringt, wie dies Italien gegenüber den im Ausland lebenden Italienern tut.

FPÖ-Südtirolsprecher stellt Anfrage an BMVIT

In dieser Causa hat nun auch FPÖ-Südtirolsprecher Werner Neubauer eine Anfrage an das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) gerichtet, das für das Postwesen zuständig ist. Neubauer fordert von der zuständigen Ministerin Doris Bures Aufklärung, auf welcher Grundlage der Sachbearbeiter der Post AG diese Entscheidung gegen den Südtiroler Heimatbund gefasst hat, welche inhaltlichen Grundlagen überhaupt bei solchen „Sondermarken“ anzuwenden sind und worin die Bundesministerin einen Zusammenhang von „Doppelter Staatsbürgerschaft“ und „Anschluss von Südtirol an Österreich“ erkennt. 

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