Neue Kettensägen braucht das Land! – Brennholz hacken ,gendergerecht‘

Das Österreichische Ökologie-Instituts (ÖÖI) warb am 13. März für ein imposant klingendes Projekt: „FemTools – Gendersensible Usability-Forschung am Beispiel von Werkzeugen zur Brennholzherstellung für PrivatanwenderInnen.“ Klingt für Sie wie eine Satire und erinnert an den „Verein zur Integration der Begriffe Karneval und Umwelt in die Frau“ aus dem Loriot-Film „Ödipussi“? Stimmt; doch unter dem sperrigen Titel verbirgt sich eine Studie, die Anspruch erhebt, ernst genommen zu werden.

Kommentar von Barbara Rosenkranz

Neben dem ÖÖI gehören das „Büro für demografiefeste Produkte und Dienstleistungen“ und eine Sozialwissenschafterin zum Projektteam. Gefördert wird das Ganze durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Die Initiatoren (besser InitiatorInnen) erklären ihr Projekt so:

Holzmachen ist in Österreich nach wie vor eine Männerdomäne […] Eine geschlechtsspezifische Zuständigkeit und Befähigung zur Brennholzherstellung wird suggeriert. Diese soziale Konstruktion spiegelt sich auch in der Produktauslegung wider. Die in der Werkzeugauslegung und der Bewerbung kommunizierte geschlechtsspezifische Arbeitsteilung führt zu strukturellen Ausschlüssen vieler Frauen […] im Zugang zu den Werkzeugen wie auch in deren Anwendung in der privaten Brennholzherstellung. Im Projekt "FemTools" gehen wir der Frage nach, wie solche Geräte gendergerecht entwickelt werden können. – Ein weiteres Ziel des Projekts ist das Empowerment von Frauen für die private Brennholzherstellung zu fördern.

Zu diesem Zwecke wird sogar ein aufwändiges zweitägiges Praxisseminar samt Übernachtung angeboten. Ein Dutzend ausgewählter Frauen darf in der steirischen Forstausbildungsstätte Pichl unter dem Titel „Brennholzerzeugung – Vom Baum zum Scheit“ gendergerecht Schneisen in den Mischwald schlagen.

„Ich sprüh’s an jede Wand: Neue Kettensägen braucht das Land!“

Großartig denkt sich da ein jeder – Verkehrsministerin Doris Bures greift endlich einmal ein wirklich heißes Eisen (bzw. in diesem Fall ein Brennholz) an. Die maroden Österreichischen Bundesbahnen oder der schwerlastige Transitverkehr sind nichts gegen die scheinbar drängende Frage (nahezu) jeder Frau: Warum werde ich strukturell von der österreichischen Brennholzherstellung ausgeschlossen? Verblüfft sind auch die Autoren der Studie, die feststellen müssen: „Zur Einschreibung von Geschlechterverhältnissen in Produkte liegen bisher kaum empirische Arbeiten vor.“ Na so was?! Weil dieses unglaubliche Versäumnis natürlich umgehend behoben werden muss, geht das Fem-Tools-Team folgenden Fragen nach:

Wie manifestiert sich die Re-Produktion von gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen („doing gender“) in der Werkzeugentwicklung, Produktkommunikation und Anwendung am Beispiel von Motorsägen und Häckslern? Wie kann eine geschlechter-adäquate Entwicklung von Werkzeugen in diesem Bereich initiiert werden?

Also kurz auf den Punkt gebracht und frei nach Ina Deter: „Ich sprüh’s an jede Wand: Neue Kettensägen braucht das Land!“ Schließlich endet echter Feminismus nicht im Wald.

Gender Mainstreaming als „Top-Down-Prinzip“

So amüsant und satirehaft uns auch solche Studien vorkommen mögen, sie sind keine skurrilen Ausnahmefälle. Sie haben System und sind essentieller Teil des Gender Mainstreaming (GM). GM steht für die Überzeugung, dass Männer und Frauen sich lediglich deshalb voneinander unterscheiden, weil sie von der Gesellschaft entsprechend erzogen werden. Dabei wird die Geschlechterrolle – „Gender“ – als ein Lernprogramm gesehen, das umprogrammiert werden kann und vor allem umprogrammiert werden muss.

Seit dem 1. Mai 1999, mit Inkrafttreten des Amsterdamer Vertrages, ist GM als rechtlich verbindliches Ziel in der Europäischen Union verankert. Es wird streng als so genanntes „Top-Down-Prinzip“ durchgesetzt und ist verpflichtende Vorgabe für sämtliche nationalen Politikbereiche und Verwaltungsebenen. In den EU-Mitgliedstaaten finden sich seither unzählige entsprechende Projekte sowohl auf nationaler, föderaler, regionaler und kommunaler Ebene. So folgt auch das BMVIT im vorliegenden Fall artig dieser Vorgabe. Es ist allgemein unvorstellbar, wie viel Steuergeld in eine solch falsche Theorie hineingesteckt wird.

GM will den Menschen verändern

Auch wenn diese Idee den meisten Menschen absurd erscheint, darf dies kein Anlass sein, sie als „harmlose Spinnerei“ abzutun. Man würde sonst ihre Wirkung gründlich unterschätzen. Mag gendersensibles Brennholzhacken bloß lächerlich erscheinen, lässt das Thema intersexueller Kindererbetreuung erschaudern. Gender Mainstreaming ist kein Gleichberechtigungsprojekt mit vereinzelten Schüssen übers Ziel. Gender Mainstreaming will nicht die Lebenssituation der Menschen verändern, sondern den Menschen selbst. Es ist daher an der Zeit, die Notbremse zu ziehen!

Barbara Rosenkranz schreibt auf www.zurueckzurvernunft.at.

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