Deutschland und die Schweiz bangen um ihr Gold

20. März 2012 - 17:18

Die Deutschen beginnen, sich um ihr Gold zu sorgen. Nicht um Schmuck oder Eheringe, sondern um den Goldschatz der Bundesbank. Seit Jahren hat ihn niemand mehr in Augenschein genommen. Namhafte Politiker vermuten, er sei verschwunden.

Abgelegenes Gold

 

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Existiert Deutschlands Gold noch?
Foto: Realterm / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Deutschland verfügt über Goldreserven im Umfang von 3.401 Tonnen. Aktuell entsprechen die unzähligen Unzen einem Gegenwert von rund 147 Milliarden Euro. Die Barren befinden sich nur zum Teil auf dem Hoheitsgebiet der Bundesrepublik. Die größten Lagerorte sind die Handelsplätze New York, London, Paris und Frankfurt. Die Deutsche Bundesbank ist gesetzlich verpflichtet, die Bestände periodisch im Abstand von drei Jahren zu kontrollieren und in Augenschein zu nehmen. Tatsächlich ist man diese Verpflichtung im Jahr 2007 zum letzten Mal nachgekommen. Ein Faktum, das den Bundesrechnungshof alarmiert hat. Schließlich handelt es sich nicht bloß um einen Gesetzesbruch – Goldbestände machen 17 Prozent der Bilanzsumme der Nationalbank aus.

Geheimniskrämerei

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder wollte sich damit nicht abfinden. Er verlangte vom Präsidenten der Bundesbank, Jens Weidmann, eine Auflistung aller Goldbarren vorgelegt zu bekommen. „Ich war schockiert. Erst hieß es, es gebe keine Liste. Dann gab es doch Listen, die geheim seien. Dann sagte man mir, Nachfragen gefährden das Vertrauen zwischen Bundebank und Fed“, berichtet der Abgeordnete. Er reiste zusammen mit Reportern der Bild-Zeitung nach New York, um das Gold der Bundesbank persönlich in Augenschein zu nehmen. Der Kommunikationschef der Bank war von diesem Unterfangen nicht begeistert. Die Recherchen der Bild-Zeitung stießen rasch auf Widerstand. „Vor diesem Hintergrund bitte ich um Verständnis, dass die Bundesbank Ihr Besuchsanliegen (...) nicht weiter unterstützt“, versuchte man aus den Reihen der Notenbank die Reise zumindest passiv zu behindern.

Die FED hüllt sich in Nebel

In der Downtown Manhattans angekommen, wurde die deutsche Delegation abermals enttäuscht. Die numerierten Barren durften nicht besichtigt werden. Jack Gutt aus dem Büro des Vizepräsidenten der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve beschrieb den genauen Aufenthaltsort lapidar: „Es ist in einigen dieser 122 Stahlgitter-Abteilungen. Mehr darf ich nicht sagen.“ Prinzipiell könne der Verbleib des deutschen Goldes jedoch nachvollzogen werden: „Es gibt Listen mit allen Barren. Jeder Barren hat eine Nummer, einen Stempel für den Reinheitsgrad des Goldes und ein Siegel.“ Es stellt sich die Frage, weshalb es dann nicht in Augenschein genommen werden darf. Doch Philipp Mißfelder will sich damit nicht abfinden. Schließlich erstellt die Bundesbank ihre Bilanz unter Einbeziehung der Geldreserven. Diese nicht zu kontrollieren, stellt einen Verstoß gegen sorgfältige Bilanzierung dar: „Es kann nicht sein, dass beim Gold-Vermögen der Deutschen offenbar gegen geltendes Bilanzrecht verstoßen wird. Das ist ein Fall für das Parlament. Ich fordere eine klare Bestandsaufnahme.“

Manche vermuten hinter dem Verwirrspiel eine Erpressung durch die USA. Im sogenannten Blessing-Brief soll den Vereinigten Staaten zugesichert worden sein, das deutsche Gold niemals in die Bundesrepublik zu transferieren. Angeblich hatten sie angedroht, andernfalls ihre Truppen aus West-Deutschland abzuziehen, was Deutschland in eine prekäre sicherheitspolitische Lage hätte bringen können.

Die ‚Initiative Gold‘

Auch in der Schweiz will man sich der Sicherheit seiner Goldreserven vergewissern. Nach Ansicht mehrerer eidgenössischer Parlamentarier sind sie allerdings nur in der Schweiz selbst sicher. Deshalb wurde die „Initiative Gold“ ins Leben gerufen. Galionsfigur ist der Abgeordnete der Schweizerischen Volkspartei, Luzi Stramm. Die Gruppe aus insgesamt vier Parlamentariern will insgesamt 100.000 Unterschriften sammeln. Neben der ausschließlichen Lagerung der Goldreserven im Inland fordert die Initiative: Die Nationalbank solle gesetzlich verpflichtet werden, mindestens ein Fünftel ihres Vermögens in Gold zu halten. Zusätzlich solle es der Bank verboten sein, Gold an den Märkten abzustoßen. In der jüngeren Vergangenheit wurden satte 50 Prozent des eidgenössischen Goldes verkauft. Sorgen bereitet Stramm die inflationäre Politik der USA und der Europäischen Zentralbank. Er befürchtet als Folge in der Zukunft globale Verwerfungen an den Devisenmärkten.    

Österreichs Nationalbank verweigert Auskünfte

 

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Gerhard Deimek versucht, den Verbleib des Goldes zu klären.
Foto: FPÖ

Während Österreichs Nachbarländer sich um ihr Gold sorgen, verharren der Nationalrat und das Bundesministerium für Finanzen weitgehend in Untätigkeit. Einzig die FPÖ versucht dem Geheimnis um Österreichs Goldreserven auf den Grund zu gehen. Der Nationalratsabgeordnete Gerhard Deimek stellte mehrere schriftliche parlamentarische Anfragen an Josef Pröll und seine Nachfolgerin Maria Fekter. Doch der Verbleib des Goldes der Österreichischen Nationalbank bleibt bisher ungeklärt. Die Regierung hüllt sich in Schweigen. Anträge, wonach es der OeNB untersagt werden solle, die gehaltenen Goldbestände weiter zu verringern und diese in Österreich zu lagern, werden als unangenehm empfunden. Die Lagerorte werden unter Verweis auf eine angebliche „Ausweispraxis“ innerhalb des Eurosystems geheim gehalten. Diese kann jedoch so nicht existieren: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler wurde sehr wohl über die Lagerorte der deutschen Reserven in Kenntnis gesetzt. Warum dann in Österreich diese Verschleierung?

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