Designierter IHS-Chef für Euro-Abschied Griechenlands

Deutliche Worte findet der designierte Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Christian Keuschnigg, zu einem weiteren Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Der Tiroler, bisher Wirtschaftsprofessor im schweizerischen Sankt Gallen, wird ab 1. Juli 2012 die Nachfolge von Bernhard Felderer als Leiter des IHS antreten, das neben dem Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) der bekannteste heimische ökonomische „Think Tank“ ist. Schon jetzt hat er sich in Diskussion über das wirtschaftlich marode Griechenland klar positioniert. In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Trend setzt sich Keuschnigg sehr deutlich für einen Rauswurf der Griechen aus dem Euro und für eine Hartwährungspolitik ein.

Keuschnigg sieht Vorteile im Rauswurf Griechenlands

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Die Griechen müssten enorme Lohnkürzungen hinnehmen, wenn ihr Land
im Euro bleibt. Der künftige IHS-Chef plädiert daher für einen Austritt.
Foto: Thomas Schoch / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)

Keuschnigg konstatiert den Griechen, dass beide Wege – ein Verbleib und ein Rauswurf aus der Eurozone – mit Schwierigkeiten verbunden sind:

Der Vorteil des Rausgehens wäre, dass eine einmalige und schnelle Anpassung des Wechselkurses stattfinden kann. Das erlaubt, rasch wieder zu exportieren und zu wachsen. Ein Ende mit Schrecken, das aber gleichzeitig auch ein Neuanfang für das Land ist, das danach ja wieder wachsen kann.

Lohnreduktion und Produktivitätssteigerung sind gefragt

Sollte Griechenland nicht aus dem Euro verabschiedet werden, sieht Keuschnigg als Alternative nur Lohnreduktion und Produktivitätssteigerung:

Wenn der Austritt nicht erfolgt, muss ein anderer Anpassungsmechanismus greifen – und das kann nur ein langer Prozess von Lohnreduktion und Produktivitätssteigerung sein. Im Vergleich zur Produktivität sind die Löhne jedenfalls derzeit um mindestens dreißig Prozent zu hoch. Im Euroverbund drinbleiben bedeutet, dass das Land über einen Zeitraum von vielleicht zehn Jahren jedes Jahr real zwei bis fünf Prozent Lohneinbußen hinnehmen muss, um die Fehlentwicklung zu korrigieren. Das ist ein sehr langer Zeitraum, das ist politisch schwer vorstellbar und hat große Folgewirkungen.

Fehler bereits bei Aufnahme Griechenlands

Die Fehlentwicklung im Zusammenhang mit Griechenland sieht der Ökonom bereits an der Wiege des Beitritts der Griechen:

Griechenland war schon beim Eintritt in den Euro wenig kompetitiv. Das zentrale Problem ist, dass innerhalb des Euroraumes sich der Wechselkurs nicht mehr anpassen kann, um eine unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung auszugleichen.

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