„Kampf gegen Rechts“: Brandanschlag auf JUSO-Heim vorgetäuscht

Schnell war man nach einem Brand im Parteiheim der Innsbrucker Jungsozialisten mit Schuldzuweisungen zur Stelle. Kein Wunder: An die Wände waren Hakenkreuze geschmiert, ein rechtsextremer Täterhintergrund galt daher als sicher und wurde von den Betroffenen auch eifrig propagiert. Das Bundes-Führungspersonal der roten Nachwuchsorganisationen ließ es in einer Presseaussendung nicht an klaren Botschaften fehlen:

Jusos

Jusos

Normalerweise verwüstet der sozialistische Nachwuchs
nicht das eigene Parteiheim.
Foto: elektrowuerstel / flickr (CC BY-ND 2.0)

Diese Vorfälle zeigen, wie wichtig es ist, sich für eine antirassistische, gleichberechtigte Gesellschaft einzusetzen, und sind ein Auftrag unsere antifaschistische Arbeit weiter zu verstärken. (Mirijam Müller, VSStÖ)

Rechtes Gedankengut ist kein Randphänomen mehr, sondern hat längst Einzug in die Mitte unserer Gesellschaft gehalten. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen, sondern jetzt noch verstärkt gegen Rechtsextremismus vorgehen. (Eleonora Kleibel, AKS)

Rechtes Gedankengut ist kein Randphänomen mehr, sondern hat längst Einzug in die Mitte unserer Gesellschaft gehalten. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen, sondern jetzt noch verstärkt gegen Rechtsextremismus vorgehen. (Wolfgang Moitzi, SJ)

Die vom Grünen Karl Öllinger betriebene Webseite „stopptdierechten“ verkündete noch heute:

Die Jugendorganisationen selbst gehen in die Offensive und antworten mit einer Reihe von Diskussionsveranstaltungen zu Rechtsextremismus und rechte Gewalt. Auffällig ist die Zurückhaltung der Medien in der Berichterstattung über den Brandanschlag.

Verletzte Vorarlbergerin spricht von versuchtem Mord

Doch so zurückhaltend waren die Medien gar nicht. Eine junge Linksaktivistin aus Vorarlberg war bei dem Anschlag verletzt worden und schilderte ihre Erlebnisse in beklemmender Weise dem Magazin WANN & WO. Das Interview wurde auch auf Vorarlberg Online veröffentlicht. Name und Wohnort der 17-jährigen wurden geändert. Hier einige Eindrücke:

Während wir schliefen, schlichen sich die Täter in die Räumlichkeiten und setzten das Sofa, neben das wir uns hingelegt hatten, in Brand. Nachdem uns eine unbekannte Person mit einem Warnanruf geweckt hatte, bemerkten wir, in welcher Gefahr wir uns befanden. […] Beim Löschversuch habe ich mir Verbrennungen an der Hand zugezogen. Mein Freund hat jetzt eine Rauchgasvergiftung. Zum anderen fällt es uns schwer, zu realisieren, dass wir knapp den Brandanschlag überlebt haben, der nur aufgrund von politischen Meinungsverschiedenheiten passiert ist. Zudem hätten wir nie gedacht, dass die TäterInnen soweit gehen, dass sie Menschenleben aufs Spiel setzen. […] Ich vermute, wir wären durch die Rauchentwicklung früher oder später aufgewacht. Doch ich glaube nicht, dass wir dann noch so schnell reagieren und das Feuer löschen hätten können. Gegen die mutmaßlichen Brandstifter wird wegen versuchten Mordes ermittelt.

Doch heute nahmen diese Ermittlungen eine ganz neue Wendung. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, dürfte die Tat keineswegs von Rechtsradikalen verübt worden sein. Vielmehr sei ein 18-jähriger als Tatverdächtiger ausgeforscht worden, der mittlerweile gestanden habe, den Brand gelegt zu haben, „um höhere mediale Aufmerksamkeit für geplante Presseaussendungen zu erhalten“. Er wurde bei der Staatsanwaltschaft wegen Brandstiftung angezeigt.

Tatverdächtiger ist Freund des Opfers

Und es wird noch abenteuerlicher: Laut ORF Vorarlberg handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um den Freund der 17-jährigen, überaus gesprächsfreudigen Opfers. Beide hätten sich bei der Polizei in Widersprüche verwickelt.

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