Katalanisches Dorf will durch Cannabis-Anbau Schulden tilgen

Spanien, im Zentrum der Wirtschaftskrise, wird nach wie vor von steigenden Zinsen und Arbeitslosigkeit geschüttelt. Besonders hart traf die Krise die kleine katalanische Stadt Rasquera. Obwohl sie nur 3.000 Einwohner hat, wurden dort 1,3 Millionen Euro an Schulden angehäuft, die von den Bürgern unmöglich zurückgezahlt werden können. Daher hat der Bürgermeister, Bernat Pallisa, einen äußerst unorthodoxen Plan ausgearbeitet, der auch die Aufmerksamkeit und den Unbill der spanischen Regierung auf sich gezogen hat.

 

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Riesige Cannabisplantagen sollten im Dorf angelegt werden.
Foto: Aleks / wikimedia / (CC BY-SA 3.0)

Sein Projekt ist nach katalanischem Recht legal, verstößt jedoch gegen nationales Recht: Pallisa wurde von dem Verein ABCDA – "Privater Gebrauch von Cannabis" – kontaktiert. Diese Gruppe hat rund 5.000 Mitglieder, die einen monatlichen Beitrag zahlen und dafür privat gezüchtetes Cannabiskraut erhalten. Aufgrund steigenden Interesses braucht die Gruppe mehr Anbaufläche und fand in dem kleinen Ort Rasquera perfekte Bedingungen vor.

In Katalonien ist der Anbau von Cannabis für den persönlichen Gebrauch legal, während das spanische Recht die Produktion jeglicher illegaler Drogen verbietet. Der Bürgermeister war trotzdem bereit, offiziell mit der Gruppe zu kooperieren und Anbaufäche an die Cannabis-Gruppierung zu vermieten: "Marihuana ist wie jede andere Nutzpflanze, die sie hier in der Gegend sehen", argumentiert er in Hinsicht auf die Kirsch- und Olivenhaine. "Gras kann man anbauen und es bringt Profit." Sehr viel Profit sogar – die Gruppierung ist bereit, für die Pacht der Grundstücke zehnmal mehr zu bezahlen, als andernfalls üblich wäre. 1,3 Millionen Euro sollten über 2 Jahre lukriert werden, außerdem würde es neue Arbeitsplätze geben. Mit dem gewonnenen Geld sollen Infrastrukturprojekte des letzten Jahrzehnts bezahlt werden, die die Stadt in Schulden gestürzt hatten – und diese nahezu völlig tilgen.

Abstimmung für Cannabis-Anbau

Die Bevölkerung ist geteilter Meinung: Einige erwarten das Cannabis-Projekt mit Freude, andere sind gegen die Nutzung einer illegalen Substanz. Daraus erwuchsen Spannungen, die letztlich so hoch wurden, dass Bürgermeister Pallisa eine Abstimmung über sein "Rettungspaket" durchführen ließ. Das Ergebnis war klar: 57% der Bürger unterstützten bei der Abstimmung am Dienstag den Vorschlag. Grund dafür könnte auch die Angst vor einem alternativen Sparpaket sein, denn eine neue drastische Budgetkürzung hatte kürzlich in Barcelona zu schweren Unruhen geführt, während derer in der ganzen Stadt Brände gelegt und Geschäfte zerstört wurden.

Zustimmung zu gering – Bürgermeister vor Rücktritt?

Trotzdem hat das Projekt vorraussichtlich ein Ende gefunden – Pallisa hatte angekündigt, nur bei einer Zustimmung von 75% seinen Plan durchzusetzen. Für den Fall des Scheiterns seiner Umfrage hatte der Bürgermeister auch seinen Rücktritt angekündigt, doch laut neuesten Berichten wird er nicht sofort sein Amt niederlegen, da das Projekt immerhin von der Mehrheit unterstützt wurde – und er noch einmal über das weitere Vorgehen nachdenken werde.

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