Andreas Unterberger – ein Journalist mit Charakterstärke und dem Mut zur Wahrheit

Andreas Unterberger musste gehen, weil sein Journalismus nicht regierungskonform war. Weil er in den viereinhalb Jahren, in denen er das in die Jahre gekommene Amtsblatt der Republik leitete, in seinen täglichen Kolumen nicht dem publizistischen Mainstream folgte. Für die Leserschaft, die seinen unabhängigen Stil mit vermehrtem Zeitungskauf honorierte, waren die Analysen messerscharf, wenn auch kontrovers. Für die Bundesregierung, genauer gesagt dem Kabinett Gusenbauer und Faymann, jedenfalls ein Dorn im Auge.

Kanzler Faymann zog schließlich am 10. Oktober 2009, dem Tag an dem Andreas Unterberger sein Schlussplädoyer an die Öffentlichkeit richten durfte, die Notbremse und feuerte ihn. Im Abschiedsbrief ließ der studierte Jurist und Politikwissenschaftler seine Sorge über die für die Demokratie notwendige Medienvielfalt offenbaren und kritisierte den „immer deutlicheren Zugriff der SPÖ auf den ORF, die wachsende Abhängigkeit der Boulevard- und Gratiszeitungen von (Steuer-)Geldern vor allem aus SPÖ-Ministerien und dem Dunstkreis des Wiener Rathauses sowie aus Betrieben wie Flughafen oder ÖBB“.

Andreas Unterbergers nicht ganz unpolitisches TagebuchGenau diese Form der Kritik war es, die Unterberger in seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Wiener Zeitung beinahe täglich übte. Und genau das machte ihn groß. Ein Großteil der Österreicher wird seine überwiegend konservativ und wirtschaftsliberal gehaltenen Texte stillschweigend bekräftigen, ein kleiner Teil sicherlich auch entkräften versuchen. Der kleinste Teil, die politische Klasse, bestimmt schlussendlich aber, was ein Redakteur einer an sich weisungsfreihen Amtszeitung nicht schreiben darf. Und weil er sich der Demokratie und der Meinungsfreiheit verschrieb, lies sich Unterberger nicht dem linken Zeitgeist unterordnen. Trotz Unterstellungen, er hätte „rechtsradikale Umtriebe“ in der Wiener Zeitung ausgelöst. Auch das unterscheidet ihn von vielen seiner Berufskollegen.

Die Ablöse war kein Grund, seinen Schreibstil zu ändern. Nun kommt die Leserschaft eben über das Internet in den Genuss seines nicht ganz unpolitischen Tagebuches. Und das auch sehr erfolgreich. Am 2. März hielt er bei 405.364 Besuchern. Sein neuester Eintrag handelt von den politischen, gesellschaftlichen und moralischen Fehlleistungen Heinz Fischers. Ganze zwanzig Gründe zählt Unterberger auf, „warum es der politischen Kultur in diesem Lande überaus gut täte, wenn Heinz Fischer am Sonntag einen deutlichen Dämpfer bekäme“. Und er nimmt sich erneut kein Blatt vor den Mund erwähnt in dem Einleitungstext treffend die „fast total gleichgeschaltete Medienlandschaft“. Damit beweist Unterberger Charakterstärke und den Mut zur Wahrheit.
 

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