Über „Mohr im Hemd“ und „dämliche“ Damen

 

Also ich gestehe: der „Mohr im Hemd“ ist eine meiner Leibspeisen. Und „Negerbrot“ schmeckt mir auch sehr gut. An eine etwaige Diskriminierung habe ich noch nie gedacht, wenn ich das eine oder das andere gegessen habe. Und sauer aufgestoßen ist mir auch weder das eine noch das andere. Was mir aber sauer aufstößt ist, wenn TV-Sender, Printmedien oder angebliche Wissenschaftlerinnen Unwahrheiten oder Halbwahrheiten öffentlich kundtun, um damit einer Ideologie zu genügen.

Gastkommentar von Martin Stiglmayr

So geschehen aus meiner Sicht in der ATV-Sendung
Am Punkt: “Aus für Mohr im Hemd, Negerbrot, Zigeunerschnitzel – wie politisch korrekt müssen wir sein?” vom 14.03.2012 um 22.20 Uhr.

 

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Der gute, alte "Mohr im Hemd" sorgt noch immer für Aufregung.
Foto: Sandstein / wikimedia / (CC BY 3.0)

Keine Frage, Sprache entwickelt sich. Und Gender Mainstreaming ist heutzutage allgegenwärtig. Angebliche Diskriminierungen auch. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Menschen wie Alexander Pollak von SOS Mitmensch und Clara Akinyosoye, Chefredakteurin von M-Media, sich angesichts der geringen und völlig unbedeutenden Probleme, die Österreich zur Zeit hat, dieser “ach so furchtbaren und schrecklichen sprachlichen Diskriminierung” annehmen. Unsere Kinder und Kindeskinder werden ihnen eines Tages sicher unendlich dankbar sein für dieses wichtige und wertvolle Engagement.

Wären da nicht zwei große Schönheitsfehler: erstens eine Wissenschaftlerin, die kein Wissen schuf, sondern statt dessen – wenn überhaupt – Halbwahrheiten verbreitete, und zweitens ein ATV-Sender, der diese Halb- beziehungsweise Unwahrheiten auch noch scheinbar ungeprüft veröffentlichte. Mag.a Dr. phil. Verena Krausneker heißt die gute Dame, die da öffentlich in der Sendung andeutete, dass die Begriffe „herrlich“ und „dämlich“ ebenso diskriminierend wären wie der „Mohr“ im Hemd und der „Neger“ im Brot. Weil herr-lich von „Herr“ abgeleitet sei und däm-lich von Dame…

Sprachwissenschaftlicher Manipulationsversuch

Bei näherer Betrachtung der Begriffe allerdings stellt sich heraus, dass die sogenannte Sprachexpertin entweder nicht die ganze Wahrheit gesagt hat oder schlichtweg manipulieren wollte. Denn weder hat der Begriff „herrlich“ etwas mit „Herren“ zu tun, noch „dämlich“ mit Damen. „Dämlich“ stammt nämlich aus dem 16. Jahrhundert vom niederdeutschen Verb „damelen“ und bedeutet „nicht ganz bei Sinnen sein“ oder aus dem Lateinischen „temulentus“, was „betrunken“ bedeutet. Abgeleitete Begriffe sind zum Beispiel Dämel, Dämelack oder Dämelsack – jedenfalls aber nicht Dame! Diese Weisheit kann man problemlos dem „Duden. Herkunftswörterbuch. Etymologie der Sprache, Zürich 2001“ und dies wiederum dem „Wiktionary“ entnehmen. Ich bin sicher, diesen Klick im Internet hätten sowohl ATV als auch die sogenannte „Sprachexpertin“ geschafft.

Der „Duden“ aber scheint ein Buch zu sein, das einer an der Universität Wien lehrenden Frau Mag.a Dr. phil. Verena Krausneker nicht bekannt ist – oder in dem sie nur selten blättert. Ihre „Weisheiten“ entnimmt sie nämlich offenbar lieber einer Internetseite namens „Kamelopedia“. Denn dort, und nur dort, fand ich die von ihr aufgestellte Behauptung. Ich ersuche die geneigte Leserin und den geneigten Leser sich selbst ein Bild über die Seriosität dieser Seite zu machen. Nach eigenen Angaben lehrt Frau Mag.a Dr.. phil. Verena Krausneker seit 2002 an der Universität Wien. Bei dieser Gelegenheit muss ganz einfach die Frage gestellt werden, ob die Uni Wien die Qualifikation ihrer Lehrkräfte in irgendeiner Form überprüft, oder zumindest Konsequenzen zieht, wenn eine Lehrende öffentlich falsche, nicht ganz richtige oder unvollständige Behauptungen aufstellt.

Kann man sich auf "Experten" noch verlassen?

Denn aus meiner Sicht habe ich als Zuseherin und Zuseher einer TV-Sendung das Recht, mich darauf verlassen zu können, dass das, was eine als „Expertin“ angeführte Person sagt, auch in der Gesamtheit so stimmt. Oder dass mich die Expertin zumindest darüber aufklärt, dass es auch noch andere Ableitungen gibt, die sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht nennt. Wir wollen doch nicht glauben, dass eine „Sprachexpertin“ der Universität Wien die Menschen absichtlich in Unkenntnis über Tatsachen lassen, sie „verdummen“ wollte oder gar der Ideologie des Feminismus vulgo Gender Mainstreaming frönen wollte statt den Regeln der Wissenschaft.

„Herrlich“ stammt übrigens auch nicht von „Herr“, sondern von „her“, einem alten deutschen Adjektiv mit der Bedeutung „alt“ und „ehrwürdig“ und ist eine Vorläuferform von „hehr“. Erst später wurde dieser Begriff auch im Sinne von „Herr“ verwendet. Und der Begriff „Dame“ stammt aus dem Lateinischen und zwar von „domina“ der Hausherrin. Hoppala!

Dominanter Begriff passt nicht zur Opferlehre

Nur – wen interessiert das schon? Unsere Sprachexpertin scheinbar nicht, unseren Kämpfer und unsere Kämpferin für Gleichberechtigung und Antidiskriminierung, Herrn Pollak und Frau Akinyosoye, erstaunlicherweise aber auch nicht. Na klar, Domina, die Hausherrin, wie passt denn dieser „dominante“ Begriff in das Bild, das die beiden „heldenhaften“ Streiter und -innen für das „arme“ Opfer Frau und die „armen“ Sprachopfer Mohr, Neger und Zigeuner haben? Wenn es um Gleichberechtigung und Antidiskriminierung geht, verzichten die Protagonisten immer wieder gerne auf Wahrheiten und Tatsachen. Ganz nach dem Vorbild des Frauenministeriums. Soll sein.

Nicht sein soll und kann aber aus meiner Sicht, dass die Kriterien der Wissenschaft und des objektiven Journalismus ausgesetzt werden, nur damit Menschen im Sinne von Gender Mainstreaming und angeblicher Diskriminierung durch Speisebezeichnungen bewusst manipuliert werden. Daher schmeckt mir das nicht, wenn TV Sender, Printmedien oder angebliche Sprachwissenschaftlerinnen mir nur die „halbe“ Kost vorsetzen. Da bleib ich lieber bei einem ganzen „Mohr im Hemd“ nachdem ich ein „Zigeunerschnitzel“ genossen habe.

Martin Stiglmayr ist Vorstand des Vereins "Väter ohne Rechte", der sich für die Verwirklichung der gemeinsamen Obsorge einsetzt.

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