Political Correctness: Deutsche Burschenschaft erneut unter Beschuss

"Linksgrüne Hysterie-Presse" und "Erste Gewalt im Staat" nannte jüngst ein FDP-Bundestagsabgeordneter die bundesdeutschen "Qualitätsmedien", der Altlinke Günther Grass bezeichnete sie vor Wochen als "gleichgeschaltet" und kritisierte einen ausgrenzenden "Rudeljournalismus". Beide teilen eine zentrale Erfahrung: Wer nicht die Political Correctness (PC) als "Schere im Kopf" achtet, dem drohen unangenehme Zeiten, da hilft auch demokratisches Engagement in Parteien und alternativen Medien nicht.

BBL

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Das Verbandsorgan der Deutschen Burschenschaft:
Der Chefredakteur ist Ziel einer Medienkampagne.
Foto: www.burschenschaftliche-blaetter.de

Dieses Mal hat es wieder den studentischen Dachverband "Deutsche Burschenschaft" (DB) getroffen, in dem ca. 120 konservative und liberale Studentenverbindungen (Korporationen) aus der Bundesrepublik Deutschland und Österreich organisiert sind. Sie bewahren das Erbe der Volkserhebung von 1848, die in das erste frei gewählte Parlament in Frankfurt mündete. Der Dachverband, in dem es zu Konflikten zwischen liberalen und konservativen Mitgliedern über die politische Ausrichtung gekommen ist, steht schon seit längerer Zeit unter Beschuss. Spiegel online geht seit einem Jahr kampagnenartig gegen ihn vor. Ein Dorn im Auge der politisch korrekten Meinungsgouvernanten ist das Verbandsorgan "Burschenschaftliche Blätter" (BBl., Auflage: ca. 10.500 Exemplare), das kein reines Mitteilungsblatt ist, sondern gemäß burschenschaftlichem Grundsatz einen politischen Anspruch verfolgt.

Konsequent "PC-frei" kennt die Zeitschrift weder Denk- noch Diskussionsverbote und gibt Zuwanderungs- und EU-Kritikern Raum, Akademiker aller Disziplinen publizierten in den letzten Jahren und stießen wichtige Debatten an. Die Interviewpartner reichten bislang von Martin Graf (FPÖ), Bundesminister a. D. Rainer Ortleb (FDP), General a. D. Jörg Schönbohm (CDU) bis Prof. Wilhelm Hankel (2/2012), einem der prominentesten Euro-Kritiker.

Auseinandersetzung um Rolle von Dietrich Bonhoeffer

Grund genug, die Redaktion unter Beschuss zu nehmen und medial unter Druck zu setzen. Anlass ist ein Leserbrief, den der Chefredakteur Norbert W. 2011 in einem internen Nachrichtenblatt seiner Burschenschaft veröffentlicht hatte. Thema war der Widerständler Dietrich Bonhoeffer, der 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet worden ist. Ein Mitglied seiner Korporation hatte den Theologen zuvor als Vorbild für alle Burschenschafter bezeichnet. Norbert W. wies in seiner Replik darauf hin, dass man Bonhoeffers Widerstand gegen das NS-Regime aufgrund des Verrats von militärischen Geheimnissen, die tausende Soldaten das Leben kosteten, in Teilen durchaus kritisch sehen könne. Eine Sicht, die ein Großteil der Erlebnisgeneration teilte.

Dieser Leserbrief wurde zuerst der mittelbar der SPD gehörenden Frankfurter Rundschau, dann dem Spiegel zugespielt. Kenner des Verbandes, der seit Monaten mit Datenmissbrauch und der Veröffentlichung von Interna auf linksextremen Seiten wie Indymedia (der Server wird konspirativ im Ausland betrieben) konfrontiert ist, gehen von einer gezielten Indiskretionen durch Mitglieder aus, die mit der aktuellen politischen Ausrichtung des Verbandsorgans nicht konform gehen. Auf welchem Wege die Interna an die Medien veräußert worden sind, soll untersucht werden.

Dank und Anerkennung für erfolgreichen Chefredakteur

Spiegel online hat vor Tagen verklausuliert zur Amtsenthebung des Schriftleiters aufgerufen. Dabei brachte er die im Verband hinlänglich bekannte Biographie von W. ins Spiel: Er hatte als junger Mann einer rechtsgerichteten Partei als Funktionär gedient. Nach seinem Ausstieg, zu dem er unter anderem in der linken Tageszeitung (TAZ) Stellung nahm, beendete er sein Studium und trat der FDP bei. Er engagierte sich darauf jahrelang unbeanstandet als Pressereferent der DB, organisierte im Jahr 2004 das DB-Seminar über den Deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 2011 wurde er in einer demokratischen Abstimmung von einer großen Mehrheit des Burschentages erneut zum Chefredakteur ("Schriftleiter") gewählt, für seine bis dato erfolgte Tätigkeit für den Verband mit Dank und Anerkennung entlastet.

Deutsche Burschenschaft ist tief gespalten

Bestens orchestriert treten nun linkslinke "Korporationskritiker" auf den Plan, die teilweise über beste Beziehungen zu linksextremen Kreisen des "antifaschistischen" bzw. autonomen Milieus in Hamburg und Gießen verfügen. Die politisch korrekte Linke in Medien und Milieu hat sich längst auf einen Angriff auf den Dachverband entschlossen: Sie will einen "Rufschaden" inszenieren, um Druck auszuüben und kann dabei nicht zum ersten Mal auf Zuträger aus den Reihen der Burschenschafter zurückgreifen. Dem Verband, der bereits über den Umgang mit Leserbrief und Berichterstattung streitet, stehen nun wieder Debatten ins Haus. Er muss letztlich über nichts weniger entscheiden, ob er dem Druck der Vertreter der Political Correctness nachgeben oder seine Autonomie bewahren und der Meinungsfreiheit auch weiterhin publizistisch eine Gasse schlagen will.

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