Uni Wien: Zeichen stehen weiter auf Sturm

Nach den polizeilich aufgelösten Protesten und Hörsaalbesetzungen an der Universität Wien stehen die Zeichen zwischen Rektorat und Studenten weiter auf Sturm. Rektor Heinz Engl legte in einer Informationsveranstaltung am Juridicum seine Vorstellungen dar, stieß aber auf wenig Gegenliebe und wurde teilweise mit Sprechchören übertönt.

Livestram

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Die lebhafte Diskussion wurde von der Uni live im Internet übertragen.
Foto: Screenshot www.univie.ac.at

In einem Mail an alle Studenten hatte der neue Rektor zu einer Diskussion über die finanzielle Lage der Uni eingeladen und versucht, die jüngst erfolgte Auflösung der Proteste zu erklären:

Nach einer Besetzung des Büros des Rektorats und einer Demonstration am Ring wurden gestern Nachmittag eine Prüfung für 600 Studierende und der weitere Lehrbetrieb im Audimax verunmöglicht. Das Rektorat hat unmittelbar darauf ein Gespräch mit der HochschülerInnenschaft der Universität Wien gesucht und geführt und anschließend ein Gesprächsangebot mit den unten angeführten Inhalten an die BesetzerInnen im Audimax übermittelt. Da dieses Angebot nicht angenommen wurde, wurde die Versammlung in der Nacht auf Freitag aufgelöst.

Die Finanzlage der Uni war bei weitem nicht das einzige Thema. Die Abschaffung der Studienrichtung Internationale Entwicklung und die Studentenproteste (Unzensuriert.at berichtete) wurden mehr und mehr zum Kernthema des Gesprächs.

Uni Wien ist chronisch unterfinanziert

„Die Universität Wien ist unterfinanziert“, bekannte der Rektor einleitend. Laut Engl sei das Jahr 2012 gesichert, jedoch könne man das Budgetdefizit von 15 Millionen Euro lediglich ein Jahr ausgleichen und irgendwie überbrücken. Die zugesicherte Töchterle-Milliarde, so nennte sie Engl, sei ein Tropfen auf den heißen Stein, längst überfällig und nur zur Aufrechterhaltung des Status quo. Von den 750 Millionen Euro würde allein die Universität Wien 100 Millionen benötigen.

Als Kernpunkt für weitere Planungen werden die anstehenden Leistungsvereinbarungen genannt. Hier will die Uni mit dem ausgearbeiteten und vom Senat genehmigten Entwicklungsplan aktiv und vehement in die Verhandlungen mit dem Wissenschaftsminister treten. Der Fokus liegt auf einer Verbesserung des Betreuungsverhältnisses sowie auf der Erhöhung der Forschungsinvestitionen. Auch das einstimmig beschlossene Konzept der Universitätskonferenz zur Studienplatzfinanzierung soll als Grundlage dienen. Verschiedenste Vergleiche wie beispielsweise zur Bankenrettung sowie zur überdurchschnittlich hohen und langfristigen Finanzierung der Elite-Uni ISTA wurden gezogen.

Kritik an fehlender Studiengebühren-Regelung

Rektor Engl stellte klar, dass endlich Klarheit für Studierende und Universitäten in der Studiengebühren-Frage herrschen müsse. Dies wird vehement auch von FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf gefordert, sein jüngster Antrag wurde jedoch nach namentlicher Abstimmung durch die Regierungsparteien abgelehnt. Studiengebühren, so ist man sich einig, sollten das letzte Diskussionsthema sein. Der freie Hochschulzugang sowie eine Finanzierung der Universitäten aus öffentlicher Hand müssten gesichert werden. Die an der Uni Wien geplante Wiedereinführung der Studienbeiträge mit einem Betrag von 380 Euro ab dem Herbstsemester sieht der Rektor als notwendiges Mittel, um endlich Klarheit zu schaffen, betont aber zugleich, dass Bundesminister Töchterle die Verantwortung auf die Universitäten abschiebe und Druck ausübe, die Universitäten nur mehr Spielball der Politik seien und die Rahmenbedingungen zur Sicherstellung der Autonomie nach und nach verloren gingen.

Lautstarker Protest gegen Polizeieinsatz

Die Diskussion mit den Studenten geriet aus den Fugen, als Fragen nach der Präsenz von Sicherheitskräften und Verfassungsschutz gestellt wurden. Dass Polizei oder WEGA bei der letzten „friedlichen“ Demonstration eingesetzt wurden, erregte den Unmut vieler, Sprechchöre und Zwischenrufe unterbrachen die Debatte im Hörsaal. Viele Studenten lehnten jede Zusammenarbeit mit dem Rektorat ab und forderten Engl auf, die Universität zuzusperren und gemeinsam auf die Straßen gehen und zu protestieren, um ein Zeichen zu setzen. Eine weitere Demonstration wurde bereits für kommenden Donnerstag angekündigt. Dennoch richtete der Rektor einen abschließenden Appell an die Studenten: ”Wir müssen aufhören, uns gegenseitig als Gegner zu sehen”

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