Erzbischof protestiert gegen Medienberichte über Lage in Syrien

Der Erzbischof der von der Gewalt in Syrien besonders betroffenen Städte Homs und Hama protestiert gegen die Medienberichte über eine Pressekonferenz letzte Woche in Wien. Silvanus Petros weilte auf Einladung der Organisation „Christen in Not“ in Österreich und traf hier auch mit Außenminister Spindelegger zusammen. Nun wirft er der Organisation und auch den Medien vor, seine Aussagen falsch wiedergegen zu haben.

Kirche in Homs

Kirche in Homs

Der Erzbischof sei aus der Mariengürtel-Kirche
im umkämpften Homs vertrieben worden, berichten
Medien. Silvanus Petros widerspricht.
Foto: NouraRaslan / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

„Unglücklicherweise haben Sie alle nicht Gebrauch von der schriftlichen Unterlage gemacht, die während der Pressekonferenz verteilt wurde, sondern haben begonnen, ihre eigenen Worte und Gedanken zu verwenden. Sie alle haben manchmal Ausdrücke und Gedanken formuliert, die nichts mit den Fakten und den Ausdrücken zu tun haben, die wir verwendeten“, wendet sich Silvanus Petros nun an die Medienvertreter. Bis jetzt sei kein einziger Christ in Syrien von egal welcher Gruppe getötet worden, weil er ein Christ ist, habe er festgestellt. Lesen musste er jedoch von „islamischem Terrorismus“ und davon, dass „die Kathedrale geplündert“ worden sei, was nicht den Tatsachen entspreche. „Wir bedauern sehr, dass diese Pressekonferenz manipuliert wurde, um einen Streit und Probleme zwischen Christen und ihren muslimischen Nachbarn zu erzeugen“, hielt der Erzbischof fest.

Berührende Berichte über Vertreibung von Waisenkindern

Tatsächlich ist in mehreren Medienberichten von einer Massenflucht der Christen aus Homs und Hama die Rede, die von radikalen Islamisten unter den Rebellen ausgelöst worden sein soll. Sogar von der Vertreibung von Waisenkindern aus der Kathedrale von Homs ist die Rede. Als Zeuge der Ereignisse wird jeweils der Erzbischof zitiert. Unklar ist, ob die Medien in ihren Schilderungen maßlos übertrieben haben oder ob das christliche Oberhaupt in Syrien angesichts großer Gefahren für die Christen im Land seine Aussagen nun abzuschwächen versucht. Führende Oppositionelle sind bemüht, die Einigkeit zwischen Muslimen und Christen zu betonen, so auch der Vertreter der syrische Revolution in Wien, Haysam Hamoui, der im Unzensuriert-Interview vielmehr das Regime beschuldigte, unterschiedliche Volks- und Glaubensgruppen gegeneinander aufzuhetzen: „Es ist das Assad-Regime, das jetzt diese Karte spielt. Das Regime will das Volk gegeneinander hetzen. Tatsächlich behandelt das Regime aber die christlichen Oppositionellen genauso brutal wie die muslimischen Oppositionellen.“ Hamoui war es auch, der die Stellungnahme des syrischen Erzbischofs zu den österreichischen Medienberichten übermittelte.

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