Islamistischer Medienstar gerät ins Stottern

Tariq Ramadan ist der internationale Star der Islamisten. Eloquent und smart lächelnd, in Fremdsprachen und westlichen Philosophien bewandert lässt er viele seiner Leser und Zuhörer an einen „liberalen, europäischen Islam“ glauben. Seinen Kritikern dreht er gerne das Wort im Mund um und schiebt sie spöttisch in die weltverschwörerische Ecke. In diesem Monat wurde er aber bei einer Podiumsveranstaltung von einem Mitdiskutanten ausgehebelt.

Für den in Genf lebenden Tariq Ramadan begann die Abendveranstaltung an der Cooper Union, einer der ältesten Privatuniversitäten in New York, als Triumph. Sein Einreiseverbot in die USA, das 2004 aufgrund einer Spende an eine Hamas-Vorfeldorganisation verhängt worden war, hatte Aussenministerin Hillary Clinton höchstpersönlich aufgehoben.

Eine lange Besucherschlange wartete auf Einlass, darunter viele Männer mit Vollbärten und weißen Haarnetzen sowie Frauen mit Kopftuch. Ramadan zog wieder seine Show ab, die von einer Feministin am Podium unterstützt wurde. Diese meinte, die Frauen würden auch im Westen unterdrückt und im iranischen Parlament säßen mehr Frauen als im US-Kongress. Dass das Parlament im Iran reine Staffage ist und was dort mit Frauen im Gefängnis passiert, wenn sie gegen die Scharia verstoßen, blieb unerwähnt.

Dann lobte sie Ramadan für eine Idee, die das Publikum ein wenig irritierte: Drakonische islamische Strafen wie Steinigen und Händeabhacken sollten vorübergehend ausgesetzt werden, um über sie eine Diskussion zu führen. In diese soll auch der strenge Klerus mit einbezogen werden. Trotzdem hätte der Abend für Ramadan wie gewohnt erfolgreich verlaufen können, wäre da nicht auch der Journalist George Packer am Podium gewesen. Ganz im Stile Ramadans fragte er diesen nach dessen von ihm verehrten Großvater Hassan al-Banna, den Gründer der fundamentalistischen Muslimbruderschaft in Ägypten.

Als der Mufti von Jerusalem Amin al-Husseini nach dem Zweiten Weltkrieg aus Berlin zurückkehrte (wo er dazu aufgerufen hatte, allen Juden in arabischen Ländern die Kehle durchzuschneiden) begrüßte Ramadans Großvater ihn überschwänglich: Hitler gebe es nicht mehr, aber der Mufti werde den Kampf fortführen. Der am Podium ins Stottern geratene Ramadan bewundert aber nicht nur seinen Großvater, sondern auch den islamischen Gelehrten Jusuf al-Qaradawi, der via TV Selbstmordattentate auch gegen Zivilisten ausdrücklich billigt. (Das ist übrigens jener al-Qaradawi, dessen brutales Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ bis vor wenigen Jahren im islamischen Schulunterricht der österreichischen Oberstufen verwendet wurde.)

Mit George Packer hat Tariq Ramadan jedenfalls erstmals seinen Meister gefunden. Seine Rückkehr in die USA hat er sich anders vorgestellt…

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