Briten-Debatte als Vorbild fürs österreichische Fernsehen

"Drei Männer – jeder von ihnen will der nächste Premierminister werden. Heute Abend wird sich der Großteil der Debatte um den Zustand der Wirtschaft drehen – um die Rezession, die Staatsverschuldung und die Arbeitslosigkeit." – Das war alles, was der BBC-Moderator den drei Kontrahenten – David Cameron von den Konservativen, Nick Clegg von den Liberaldemokraten und Gordon Brown von der Labour-Partei – mit auf den Weg gab für die dritte Fernsehdebatte vor den Wahlen in Großbritannien. Die Fragen kamen ausschließlich von Bürgern, die die Diskussion in der Universität Birmingham verfolgten.

Welch wohltuende Abwechslung zu den Fernseh-Konfrontationen, die wir in Österreich gewohnt sind. Ein Moderator, der sich dezent im Hintergrund hält, anstatt sich als Mittelpunkt der Politik zu stilisieren. Keine Ingrid Thurnher, die mit bösartigem Blick in ihrem Zettelhaufen herumkramt, die Diskutanten mit (Falsch-)Zitaten aus dem Jahre Schnee nervt und alle fünf Minuten versucht, die Debatte in eine neue Richtung zu führen, in die weder die Teilnehmer noch die Fernseh-Zuschauer geführt werden wollen.

Doch auch die drei Parteichefs sind von gänzlich anderem Schlag als unsere heimischen Politik-Größen. Rhetorisch äußerst beschlagen diskutieren sie höflich und zivilisiert. Keiner fällt dem anderen ins Wort. Jeder beschränkt seine Wortmeldung auf das Nötigste, spricht in kurzen und verständlichen Sätzen. Die Konfrontation erinnert so zwar ein wenig an den Wettstreit dreier Autoverkäufer – allerdings für Rolls Royce, Aston Martin und Bentley.

Keine Frage: Unsere Politiker haben nicht das Format dieser drei Herren. Noch viel weniger haben jedoch unsere Journalisten das Format ihrer britischen Kollegen. Und vor allem haben sie jegliches Verständnis für ihre Rolle verloren. Freilich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Journalisten Politik machen. Aber sie sollten sich vorher einer Wahl stellen wie alle anderen Politiker auch.

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