Marine Le Pen wird weiß wählen

BildDie französische Präsidentschaftswahl wird zwischen dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy, der seine Wähler mehr als einmal bitter enttäuscht hat, und dem linken Kandidaten François Hollande entschieden. Für die knapp 20 Prozent der Franzosen, die ihre Stimme im ersten Wahlgang Marine Le Pen gegeben haben, gibt es noch keine deutliche Entscheidung – obwohl Sarkozy bereits im gesamten Wahlkampf um die Stimmen der Nationalen buhlte. Nun muss er drei Viertel der Le Pen-Wähler überzeugen, um gewinnen zu können.

 

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Marine Le Pen vertraut keinem der beiden Finalisten.
Foto: Front National / Wikimedia

Marine Le Pen selbst kann keinen der beiden verbliebenen Kandidaten unterstützen – und gibt dementsprechend auch keine Empfehlung an ihre Wähler ab: "Jeder von euch soll seine Wahl nach eigenem Gewissen und Gefühl treffen, doch erwartet euch nicht zu viel von den Wahlversprechen", sagte sie in einer Rede, "ich persönlich werde keinem der beiden Kandidaten mein Vertrauen und meine Stimme geben, da sie beide seit 30 Jahren nur dafür stehen, Frankreich zu ruinieren. Am Sonntag werde ich weiß stimmen oder, wenn ihr so wollt, marine-blau." Le Pen warf Sarkozy vor, dass er die nationale Souveränität aufgegeben, sich als Interessensvertreter des Finanzmarkt positioniert habe und unter seiner Präsidentschaft die Einwanderung ins Uferlose ausgeweitet worden sei. Sowohl die EU-kritische Positionierung des Sozialisten Hollande als auch die jüngst von Sarkozy eingenommene Position gegen Zuwanderung werden wohl nur wenige Le Pen Anhänger überzeugen.

Hollande mit muslimischer Unterstützung

Denn während Sarkozy vor den Wahlen gerne öffentlichkeitswirksam mit leeren Versprechen um sich wirft, ist Hollandes Plan ganz offen ersichtlich – wie auch die Wahlempfehlungen für ihn zeigen: Die Imame Frankreichs fordern von ihren Gläubigen beispielsweise ebenso wie die islamischen Verbände eine Stimme gegen Sarkozy, "um unsere Würde gegen die Islamophobie und die Stigmatisierung der Mitglieder unserer Gemeinschaft zu verteidigen", so einige der Moscheedirektoren in Paris. Laut der französischen Zeitschrift Marianne 2 existiert "ein Netzwerk von rund 700 Moscheen, welche die Unterstützung für den sozialistischen Kandidaten mobilisieren sollen", wie der Blog Islamisation berichtet.

Gleichzeitig wirbt der Sozialist Hollande damit, dass in den nächsten fünf Jahren das Wahlrecht für Nicht-EU-Ausländer realisiert werden soll. Mit solchen Versprechen bindet er einen immer größeren Teil der Bevölkerung Frankreichs an sich und sichert somit seinen Machterhalt durch ein ähnliches Vorgehen, wie es die angstgeplagten Sozialdemokraten hierzulande bevorzugen.

Front National positioniert sich für Parlamentswahlen

Obwohl am 6. Mai erst einmal die Präsidentschaftswahlen geschlagen werden müssen, positioniert sich Marine Le Pen bereits für die Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni 2012. Beobachter geben dem Front National gute Chancen, auch hier zu punkten. Die Partei könnte vor allem von einer schwachen konservativen UMP profitieren. Verliert Amtsinhaber Sarkozy die Präsidentschaft, dann könnte sich auch seine Sammelbewegung, die in den letzten Jahren zu einer reinen Präsidentenpartei geworden ist, in einzelne ideologische Gruppierungen aufspalten. Im politischen  Zentrum gibt es bereits seit längerem Bestrebungen, eine eigenständige Gruppierung zu etablieren, und auch im rechten Flügel der UMP rumort es. Lachende Dritte könnte einmal mehr Le Pen sein, die sich rechts der Mitte als echte Alternative gegen die UMP etablieren könnte.

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