100 Jahre Axel Springer: Was wurde aus seinem Erbe?

Heute vor 100 Jahren wurde in Hamburg-Altona Axel Springer geboren, der nach dem Zweiten Weltkrieg das mächtigste Medienimperium Deutschlands aufbaute. Politisch war Springer ein Kämpfer für die deutsche Wiedervereinigung, die er selbst nicht mehr erleben durfte. Er starb 1985 in Berlin, wohin er 1966 den Verlagssitz direkt an die Grenze zum kommunistischen Osten verlegt hatte. Obwohl er selbst zu Lebzeiten die Vorboten der Political Correctness erkannt und kritisiert hatte, haben seine Nachfolger das Imperium strikt nach deren Richtlinien ausgerichtet. Einstige Weggefährten meinen sogar, die Springer-Presse würde heute gnadenlos Jagd auf einen wie Springer machen.

Axel Springer

Axel Springer

Axel Spinger in Bronze im Innenhof des
Verlagshaus des Hamburger Abendblatts.
Foto: flamenc / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Die konservative Wochenzeitung Junge Freiheit macht Springer in ihrer aktuellen Ausgabe zur Hauptfigur. Chefredakteur Dieter Stein spart in seiner Kolumne nicht mit Kritik an Springers Erben:

Der Kamarilla um Mathias Döpfner, den aalglatten heutigen Vorstandsvorsitzenden des Springer-Verlags, ist der „rechte“ Ruf, der den Blättern des Hauses auch heute noch anhaftet, peinlich und man versucht, Leben und Wirken des Gründers umzudeuten. [.] Das geistige Erbe des Verlegers wurde verspielt.

Politisch unbequeme Einstellungen

Denn Springer würde wohl heute nicht mehr in die deutsche Politlandschaft passen, wie Ronald Berthold in seiner Analyse herausarbeitet. Dass ihn der Verlag nun zum Jubiläum als einen „Radikalen der Mitte“ zu inszenieren versuche, als der sich Springer sehr wohl einmal bezeichnet hat, greife viel zu kurz.

Axel Springer hatte eine Partei rechts der CDU aus der Taufe gehoben, er hatte die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie bekämpft, er hatte sich gegen die Kollektivschuld gewandt, den Zeitgeist als sozialistisch erkannt, den Linksextremismus aufgrund seiner kollektivistischen Strukturen für gefährlicher eingeordnete als den Neonazismus.

Nach Springers Tod zog der Zeitgeist auch bei den publizistischen Flaggschiffen des Verlags, der Bild-Zeitung und der Welt ein. Deren Journalisten, so analysiert Berthold, stünden heute – wie auch in den meisten anderen Medien – mehrheitlich links und seien daher auch bereit gewesen, „Rufmord-Kampagnen gegen Konservative“ wie den CDU-Politiker Martin Hohmann oder die Nachrichten-Moderatorin Eva Herman zu führen.

Mission nach Moskau zur deutschen Einigung

Verlagshaus

Verlagshaus

Axel Spinger ließ das neue Verlagshaus 1966 in Berlin direkt an der
Zonengrenze errichten. Das Unrechtsregime DDR bekämpfte er.
Foto: roger4336 / flickr (CC BY-SA 2.0)

Trotz aller Bemühungen des Verlags, dem Gründer posthum ein neues Image herbeizuschreiben, bleibt Springer als überzeugter deutscher Patriot in Erinnerung, der sich zeitlebens nicht mit der deutschen Teilung und dem Unrechtsregime der DDR abfinden wollte. Deshalb verlegte er symbolträchtig den Firmensitz an die Zonengrenze und blickte herab auf Mauer, Stacheldraht und DDR-Grenzpolizisten. Sogar eine eigenmächtige politische Mission versuchte er, indem er 1958 nach Moskau reiste und dort Nikita Chruschtschow seinen Plan zur deutschen Wiedervereinigung auseinandersetzen wollte, der auf einem neutralen Gesamtdeutschland beruhte. Springer blieb ohne Erfolg, der Sowjet-Herrscher speiste Springer mit einem Interview ab.

Für ein Europa der Vaterländer

Noch heute richtungsweisend ist Springers Vision für Europa, die an Frankreichs Präsident Charles de Gaulle angelehnt war und die er 1976 in einer Rede zur Verleihung der Jakob-Fugger-Medaille darlegte:

Viele solcher individueller Vaterländer können sich dann zusammenfinden zu den Großräumen der Freiheit. [.] So habe ich auch den oft missverstandenen Ausspruch de Gaulles vom Europa der Vaterländer immer in dem Sinn verstanden, dass ein Wald nicht einfach ein Wald sein kann, sondern aus Buchen, Fichten, Eichen, Tannen und den verschiedensten Büschen besteht. Man muss selbst etwas sein, um in der höheren Gemeinschaft, der größeren Föderation, etwas sein zu können.

Der Axel-Springer-Verlag, der mehrheitlich im Eigentum seiner Witwe Friede Springer steht, ist heute europäisch ausgerichtet und in vielen osteuropäischen Staaten ebenso Marktführer wir in Deutschland. Die Printmedien erreichen in der Bundesrepublik 85,8 Prozent der Deutschen. 230 Zeitungen, 160 Online-Angebote und 120 Apps werden unter dem Dach des Verlags herausgegeben. Der Umsatz beträgt 3,2 Milliarden Euro, 12.800 Menschen sind in Berlin-Kreuzberg beschäftigt. Zum 60. Geburtstag der Bild-Zeitung im Juni plant der Verlag eine große Werbeaktion und will jedem Haushalt ein Exemplar zustellen. Dagegen regt sich Widerstand. 170.000 Menschen haben im Internet bereits bekannt gegeben, dass sie diese Zwangsbeglückung ablehnen.

Feindbild der linken Studentenbewegung

Mit Widerstand war Springer zu Lebzeiten stets konfrontiert, vor allem aus der linken Studentenbewegung, die – ähnlich wie das DDR-Regime – seine Enteignung forderte. Springer und leitende Journalisten seiner Zeitungen standen jahrelang unter Polizeischutz. Redaktionen und Verlagshäuser wie auch die Wohnung Springers waren Ziel terroristischer Anschläge.

Die Druckausgabe der Jungen Freiheit mit zahlreichen interessanten Berichten, Analysen und Kommentaren zu Springer sowie seiner Rede anlässlich der Verleihung der Fugger-Medaille 1976 kann hier bezogen werden.

            

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