Sperrt die Wiener Polizei nur die Hendldiebe ein?

Das Outing des legendären Chefs des Wiener Sicherheitsbüros, Max Edelbacher, im Nachrichtenmagazin profil ist aufgrund der Wahlen in Frankreich und Griechenland etwas untergegangen. Dabei hat Edelbacher Unglaubliches von sich gegeben. Er behauptete, dass es ein Stillhalteabkommen zwischen Polizei und Mafia-Bossen gegeben habe. „Es wurde nicht groß an die Wand geschrieben, aber der geheime Slogan war, dass wer Ruhe gibt, auch Ruhe hat“, so Edelbacher im profil-Interview.

Dritte Mann

Dritte Mann

Der Agenten-Thriller "Der Dritte Mann" wurde nicht zufällig in Wien gedreht.
Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Edelbacher sagte, dass er vieles erst durch das ruhige Nachdenken in der Pension verstanden habe. Dabei kam Skandalöses zutage: „Sperrt die Hendldiebe ein, aber lasst die großen Sachen in Ruhe, war immer ein bisschen die Vorgabe von oben,“ verrät Edelbacher im profil. In Österreich gebe es halt eine politische Weisungssucht. Als typisch dafür nennt er die Kurdenmorde, als die Polizei den Haupttäter einfach laufen ließ. Aber auch viele andere Fälle wie den Vorfall in der Döblinger Villa des Gaddafi-Sohns Saif al-Gaddafi im Jahr 2007. Damals sei eine ukrainische Gespielin Gaddafis vom Balkon der Villa gestürzt und habe sich dabei so schwer verletzt, dass sie für Tage ins Koma gefallen sei. Saif habe Österreich wenige Stunden nach dem Vorfall mit einem Privatflugzeug verlassen. „Doch die Ermittlungen wurden ohnehin sofort eingestellt,“ sagt Edelbacher.

Die Polizei schaut weg

Das Nachrichtenmagazin hat den Tod des libyischen Ex-Premier Shukri Ghanem, der in der Neuen Donau ertrunken sein soll, zum Anlass genommen, das Schurkenparadies Wien näher zu beleuchten. Mit Edelbacher fand es einen Mann, der bereit war, einiges preiszugeben. Gar nicht schmeichelhaft gestaltete sich zudem eine Aussage des deutschen Mafia-Spezialisten Jürgen Roth: „Wer dunkle Geschäfte machen und sich verstecken wollte, ging eben nach Wien. Da wusste man, dass die Polizei wegschaut.“ 

Ist Wien also wirklich ein Schurkenparadies, wo „Geheimdienstler“ und Mafia-Bosse ruhig ihre Geschäfte machen können? Wo Politik und Exekutive freundschaftlich verbandelt sind? Wenn solche Fälle wie jener des mutmaßlichen Kriegsverbrechers aus Litauen, Ex-KGB-Offizier Michail Golowatow, der der österreichischen Exekutive zufällig ins Netz ging, doch nach Weisung des Innenministeriums nach Russland ausreisen durfte, Schule machen, braucht man sich über die internationale Meinung nicht wundern. Es war wohl auch nicht zufällig, dass für den britischen Agenten-Thriller „Der dritte Mann“ ausgerechnet Wien als Drehort gewählt wurde.

Paradies auch für kleinere Schurken

Während in Wien also, wie Edelbacher bestätigt, die Mafia-Bosse unbehelligt leben dürfen, hat die Polizei neuerdings auch mit den so genannten Hendldieben Probleme: Laut Tageszeitung Österreich hält das Innenministerium seit Wochen die Kriminalstatistik zurück. Vermutet wird, dass dies aufgrund der schlechten Optik geschehe. Denn tatsächlich boomen die Raubüberfälle in Wien. Bei den Banken gebe es ein Plus von 87 Prozent, die Überfälle auf Juweliere hätten sich vervierfacht und die Raubüberfälle auf Geschäfte seien um 53 Prozent gestiegen, zählt Österreich in einer Tabelle auf, zu der FPÖ-Stadtrat David Lasar Stellung nimmt: „Offenbar sind die Ministeriums-Beamten zu beschäftigt, um die schlechten Zahlen zu schönen.“

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