Kein Sparen bei Gedenkdienst

Als Variante des Zivildienstes scheint sich der Auslandsdienst einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen, ermöglicht er jungen Männern doch einen bezahlten Auslandsaufenthalt in den USA, Brasilien, Israel, Polen und weiteren Staaten dieser Erde. Auslandsdienst wird als Zivildienst-Ersatzdienst gewertet und umfasst Gedenkdienst, Sozialdienst und Friedensdienst. Entsandt werden können Auslandsdiener nur von anerkannten Trägerorganisationen. Da Auslandsdienste zwar als Ersatz für den regulären Zivildienst gelten, die Kosten aber nicht aus dem Zivildienstbudget gedeckt werden, ist man auf Förderungen angewiesen.

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Bei Ausgaben für Gedenkdienst wird nicht gespart.
Foto: Sarah Ewart/Wikimedia CC BY-SA 3.0

Auslandsdienst ist eigentlich unentgeltlich, aber so weit dürfte das ideologische Engagement der Weltenbummler und der diversen Vermittlervereine doch nicht reichen. Um die Finanzierung sicher zu stellen, wurde der elegante Umweg über die erwähnten Förderungen gewählt. 15 Trägerorganisationen teilten sich in den Jahren 2006 bis 2009 den jährlich mit 800.000 Euro dotierten Förderkuchen, berichtet das fördernde Innenministerium. 508 Auslandsdiener kamen so in den Genuss, ein Jahr lang im Ausland ihren Interessen nachgehen zu können. Mit 117 jungen Männern entsandte der "Österreichische Auslandsdienst" in dieser Zeit die meisten von ihnen in die Fremde, gefolgt von der Pfarre Frastanz mit 86 und dem Verein "Gedenkdienst" mit 80 Personen.

Eine besondere Spielart des Auslandsdienstes ist der Gedenkdienst, auf den sich insbesonders der gleichnamige Verein spezialisiert hat. Auch eine Organisation namens "Österreichischer Gedenkdienst" und der Verein "Niemals vergessen" sind mit von der Partie. Gedenkdiener erfüllen im Ausland Aufgaben wie die Gestaltung und Organisation von Führungen und Veranstaltungen in Holocaust-Gedenkstätten und Museen oder finden in diversen Archiven ein Betätigungsfeld. Laut Österreichischem Auslandsdienst waren 2011 von 111 Auslandsdienern 48 im Bereich Gedenkdienst tätig.

Andere Ministerien stopfen das Budgetloch

9000 Euro ließ sich das Innenministerium jeden Gedenkdiener bisher pro Jahr kosten. Dieser Betrag wurde allerdings aufgrund notwendiger Budgeteinsparungen auf 8100 Euro gekürzt. Groß war daher der Aufschrei der Gedenk-Community, als dies bekannt wurde. Doch am 8. Mai kam bereits die Entwarnung. Die verunsicherten Gedenkdienstvereine können aufatmen. Bundeskanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger haben sich darauf geeinigt, den Fehlbetrag von 100.000 Euro aus anderen Ressorts zu lukrieren. Spindelegger wurde im ORF-Teletext dahingehend zitiert, dass es völlig gerechtfertigt sei, den Gedenkdienst von den Sparmaßnahmen auszunehmen, wenn man einmal erlebt habe, was die Gedenkdiener etwa in Jerusalem leisten.

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