Alpini ehrten faschistische Pusteria-Division in Bruneck

Zu eigentümlicher Traditionspflege kam es am Rande des 85. Alpini-Veteranentreffens in Südtirol am 11. Mai 2012. Alpini-Veteranenpräsident Corrado Perona und eine Abordnung der Traditionsverbände suchten das berüchtigte Alpinidenkmal in Bruneck auf und legten dort einen Kranz zu Ehren der Divisione Pusteria nieder. Dabei handelt es sich um eine jene Einheit, die sowohl im Abessinien-Feldzug als auch auf dem Balkan in Kriegsverbrechen verwickelt gewesen sein soll. Dass die Alpini-Veteranen bei ihrem Treffen gerade für diese Einheit die Traditionen hochhalten, stößt nicht nur beim Südtiroler Schützenbund auf Unverständnis und Ablehnung.

Divisione Pusteria in Kriegsverbrechen verwickelt

Kranzniederlegung Alpini Denkmal

Kranzniederlegung Alpini Denkmal

Alpini legten am 11.Mai für die Divisione Pusteria Kranz nieder
Foto: Südtiroler Schützenbund

Die Divisione Pusteria wurde ursprünglich im Dezember 1935 aus Teilen anderer Alpinidivisionen gebildet. Dazu kamen Ergänzungsabteilungen, bestehend aus ausgehobenen Mannschaften. Auch Südtiroler zählten zu diesen neuen Mannschaften, ein Großteil von ihnen entzog sich aber durch Flucht nach Österreich bzw. in die Schweiz der Dienstverpflichtung durch die Italiener. Obwohl der Name Pusteria etwas anderes widerspiegeln sollte, handelt es sich bei der Einheit um eine fast ausschließlich italienische Division. Ab Jänner 1936 kämpfte die Divisione Pusteria unter dem Kommando der italienischen Generäle Alessandro Pirzio Biroli, Guggero Santini und Pietro Maravigna in Abessinien. Im Zuge dieses Kommandos kam es zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen wie Giftgas und Brandbomben gegen die äthiopische Zivilbevölkerung.

1938 erhielt Divisione Pusteria Denkmal in Bruneck

Nach Ende des Abessinienfeldzugs 1938 stellte die italienische faschistische Regierung in der Südtiroler Gemeinde Bruneck am Kapuzinerplatz ein Monument zu Ehren der Divisione Pusteria auf. Im Balkankrieg 1941 verübten Truppenteile Übergriffe auf die Zivilbevölkerung in Montenegro im Zuge des Partisaneneinsatzes. Wiederum war General Alessandro Pirzio Biroli federführend mit der Einsatzleitung betraut. Nach dem Krieg blieben die Verbrechen der Divisione Pusteria in Abessinien und Montenegro von der italienischen Justiz ungesühnt. Das Alpini-Denkmal in Bruneck, im Südtiroler Volksmund „Kapuziner Wastl“ genannt, wurde zur Pilgerstätte italienischer Faschisten nach 1945 und zu einem Symbol der Unterdrückung gegenüber der deutschen und ladinischen Volksgruppe. In den füngziger und sechziger Jahren war das Denkmal wiederholt Ziel von Anschlägen.

1968 wurde „Kapuziner Wastl“ wiedererrichtet

1968 errichtete man aus den Resten des Denkmales ein neues Monument und der Torso des „Kapuziner Wastl“ wurde auf einen Steinquader gehoben. Seitdem steht das Denkmal immer wieder im Brennpunkt der politischen Diskussion um die faschistische Vergangenheit in Südtirol und Italien. 2009 wurde dort eine Veranstaltung des Südtiroler Schützenbundes gegen faschistische Relikte durch die italienischen Behörden verboten- Durch die Kranzniederlegung sah der Südtiroler Schützenbund einmal mehr eine Provokation der Alpini in Südtirol verwirklicht und kritisierte in diesem Zusammenhang auch zum wiederholten Male die tolerante Haltung von SVP-Landeshauptmann Luis Durnwalder gegenüber dem Alpini-Treffen, der dieses im Vorfeld primär als touristische Veranstaltung mit Wertschöpfungscharakter für die Südtiroler Wirtschaft definiert hatte.
 

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