Ägypten hat Wahl zwischen Islamisten und Mubarak-Leuten

Am 23. Mai 2012 wählt Ägypten das erste Mal seit der Revolution seinen neuen Präsidenten. Die Liste der Kandidaten war bis jetzt zahlreichen Veränderungen unterworfen, da viele Anwärter von der Teilnahme disqualifiziert wurden. Auch der Vize-Chef der Muslimbrüder, Khairat al-Shater, gehörte zu jenen 10 der ursprünglich 23 Kandidaten, die von einem Gericht wegen Nichteinhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen disqualifiziert wurden.

Vor den Parlamentswahlen hatten die Muslimbrüder zwar mehrmals angekündigt, keinen Kandidaten ins Rennen zu schicken – wohl, um die internationale Sorge vor einer islamischen Machtübernahme zu beruhigen – doch später begründeten sie ihre Kandidatur mit der Notwendigkeit, die Anhänger des gestürzten Mubarak-Regimes von dieser Position fernzuhalten. Al-Shaters Chancen standen außergewöhnlich gut, bis er von der Wahl ausgeschlossen wurde. Auch viele Favoriten der anderen Parteien, wie zum Beispiel Hazem Abu Ismail von den Salafisten, fielen den Regelungen zum Opfer, wie das Institut MEMRI berichtet.

Muslimbruder gegen Ex-Muslimbruder

Trotzdem sind noch Islamisten im Rennen. Die Muslimbrüder hatten auch ihren jetzigen Fraktionschef Muhammad Mursi nominiert – er konkurriert mit Abu Al-Futouh, der ein ehemaliger Muslimbruder ist, jedoch ausgeschlossen wurde, da er sich für das Präsidentenamt beworben hatte, als die Partei noch keinen Kandidaten aufstellen wollte. Auch säkuläre Kandidaten, wie der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga sowie früherer Außenminister Amr Moussa, stehen zur Wahl. Jeder der Kandidaten behauptet, im Geiste der Revolution anzutreten.

Moussa als Kandidat des alten Systems

Die meisten Kandidaten des liberal-säkularen Flügels haben nur wenige Chancen, weswegen Abu Al-Futouh auch mit den Stimmen vieler Liberaler rechnen kann, die einen extremeren Islamisten verhindern wollen – doch ebenso unterstützen ihn mehrere salafistische Gruppen wie auch Anhänger der Muslimbruderschaft selbst. Amr Moussa hingegen kann den Vorteil seiner allgemeinen Bekanntheit für sich nutzen und hat auch ein klares politisches Profil (das unter anderem eine langjährige anti-israelische Haltung beinhaltet), was ihn von den relativ profillosen säkularen Mitbewerbern unterscheidet. Die Tatsache, dass er Mitarbeiter Mubaraks war, könnte ihn jedoch Stimmen kosten. Auch der neue Kandidat der Muslimbrüder hat mit Imageschäden seiner Partei zu kämpfen, könnte aber dank der beeindruckenden Propagandamaschinerie einen unerwarteten Erfolg einfahren. Erhält keiner der Kandidaten mehr als 50 % der Stimmen, so findet eine Stichwahl zwischen den beiden Stärksten statt.

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