Bezirkszeitung als Anwalt für “aggressiven Bettler”

Wofür brauchen wir eigentlich noch die Justiz? Immer häufiger übernehmen die Medien den Richterspruch. Das ist bei rechtskräftigen Abschiebungen zu beobachten, wenn Medien für eine Person Partei ergreifen und die Justiz samt Politik auf deren Druck nachgeben. Oder wenn die Zeitungsrichter meinen, jemand sei zu streng bestraft worden. Einen aktuellen Fall gibt es nun in Wien: Da macht sich die Bezirkszeitung (bz) für einen rumänischen Bettler stark, der die Strafe von 650 Euro nicht zahlen will (oder kann) und dem deshalb der Knast droht.

Constantin B. verkauft Zeitungen vor einem Supermarkt in der Florianigasse im achten Wiener Gemeindebezirk. Vor einigen Wochen fasste er an einem Tag gleich drei Strafverfügungen in der Höhe von 650 Euro für aggressives Betteln sowie Behinderung des Fußgängerflusses aus. Weil er die Strafe nicht zahlt, soll er für zwei Tage ins Gefängnis. Laut Bernhard Dafert, dem stellvertretenden Polizei-Stadthauptmann in der Josefstadt, ist alles rechtens: „Wenn er angezeigt wurde, dann hat es einen Grund gegeben.“

Bettler bekommt kostenlos einen Anwalt gestellt

Die Bezirkszeitung findet die Strafe aber offenbar ungerecht, denn im Bildtext ist zu lesen: „Constantin B. will einfach nur seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Zeitungen verdienen.“ Die Botschaft ist klar: Lasst den Mann in Ruhe weiter betteln und streicht die Geldstrafe. So spielt sich die Zeitung als Anwalt für Menschen auf, die sich laut Auskunft der Polizei nicht an die Gesetze halten. „Die Anrainer lieben ihn“, schreibt die bz und weiter: „Mittlerweile wurde dem gebürtigen Rumänen kostenlos ein Anwalt zur Seite gestellt.“ Dieser, Herbert Pochieser, sagt in der bz: „Da ich erst zu spät konsultiert wurde, konnte ich nicht rechtzeitig Einspruch erheben. Aber ich verspreche: Ab sofort steht Herr B. unter meinem persönlichen Schutz.“
 

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